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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 328

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 328)
Language
German
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IRI
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313 die Geschosse und die Bomben angerichtet und wir sahen auch die Bauten und Wälle die das Heer Lothringens errichtet, die sogenannten Batterien und Gräben, die Faschinen oder Laufgräben genannt werden, und es erschien dem Beschauer ein großes Wunder, daß es möglich sei, mit Menschenhänden binnen kurzer Zeit solche Bauten auszuführen, trotzdem die Franzosen sie Tag und Nacht von den Wällen aus mit großen Geschützen beschossen. Die Verwüstungen an den Schanzen waren so groß, daß die Kriegsverständigen und die Franzosen behaupteten, wenn das österreichische Heer noch kurze Zeit dort gestanden wäre und die sogenannten Piece abgefeuert hätten, sie leicht auf den Schanzen zu dem Orte St . . . .25) hätten kommen können, den ihnen dann die Franzosen nach Kriegsbrauch hätten übergeben müssen. In den Häusern waren auch große Lager. Die Franzosen errichteten neue Wälle und Gräben, die früher nicht gewesen waren; von der Zeit, wo das österreichische Heer zurückgewichen war, wurde das Sandtor geöffnet und es gingen vom französischen Heere und auch von den Stadtbewohnern Leute 2 bis 3 Meilen weit und brachten etwas Lebensmittel in die Stadt* Wir priesen Gott und dankten ihm, daß er uns einstweilen vor dem Hunger errettet hatte. Am Sonntag, den 24. d. M. (23. September), erwirkten die Gemeindevorsteher mit Gottes Hilfe, daß die Gemeindemitglieder wie seit jeher vor Tagesanbruch zu Selichoth gehen durften. An diesem ersten Selichothtage wurde im Auftrag der Franzosen in allen Judengassen ausgerufen, wer in die Provinz gehen wolle, möge es tun, die Tore stünden den Reisenden offen. Einige Leute aus Lieben glaubten, daß die Wege wieder seien wie früher und darum wollten ungefähr 30 Personen, Männer und Frauen, Jünglinge und Mädchen nach Lieben; als sie in die Nähe von Lieben kamen, schrie sie ein österreichischer Husar an, wer sie veranlaßt habe, die Stadt zu verlassen. Da erfaßte sie Angst und Schrecken und sie liefen davon, und weil sie ohne zu sprechen davonliefen, erzürnten die Husaren und schössen mit ihren Flinten nach ihnen; es fiel ein Mann namens Chone Kazew und ein Jüngling aus Prag namens Wolf, Sohn des David Lowatitz, Diener bei den Gemeindevorstehern. Als die übrigen Juden das sahen, blieben sie stehen, der Husar kam und führte sie nach dem Dorfe Vysocan zu ihrem Anführer. Dieser forschte sie genau aus, warum sie von Prag weggegangen seien, und sie ant-

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