Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 327)
- Language
- German
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312 wöchentlich 1500 Laib Brot und Hülsenfrüchte und Salz und Dörrobst, auch die Gemeindemitglieder verteilten soviel sie konnten, bei all dem konnte die Handvoll nicht ausreichen, die Armen jammerten und baten um Brot, es war aber nichts da. Schauet und sehet, ob es Leiden gibt gleich den unseren, da uns Gott verurteilt zu Schwert und Hunger und angezündet Feuer wider Jakob, Flammen ringsum. Am Dienstag, den 5. Elul (4. September) befahl de Broglie, alle Prager Städte sollten mehrere 100 Zentner Zinn und Blei abliefern, die Judengasse sollte 100 Zentner hiezu geben, auch sollten die Städte 150.000 fl. bezahlen und hiezu über Auftrag des Altstädter Stadthauptmanns die Juden 27.000 fl. beitragen, gleich am nächsten Tage schickte man wie gewöhnlich hunderte Soldaten als Exekution, bis wir alles ablieferten. An diesem Tage kauften die Fleischer 2 Ochsen um 500 fl., damit man Fleisch für Kranke und Wöchnerinnen habe; 1 Gans kostete 8 fl., 1 Huhn 3 fl., 1 Ei 1 . . ., 1 Kalb, das mit Kopf, Füßen und Eingeweiden 26 Pfund wog, kostete 26 fl. Am 11. d. M. kauften sie von den Franzosen eine Kuh um 370 fl. und ein Ei um 1 Kreuzer, wir waren Tag und Nacht in großer Bedrängnis und hörten den Lärm der großen Geschütze und Bomben und es gingen um unserer Sünden willen an uns die^ Verwünschungen der Tochecha24) in Erfüllung, „am Abend wirst du sagen, wer gäbe es wäre Morgen und am Morgen wirst du sagen, wer gäbe es wäre Abend, vor Furcht, die dein Herz hegt und wegen dessen, was deine Augen sehen und ein Volk, dessen Sprache wir nicht verstehen, herrscht über uns und infolge von Bedrängnis, Kummer und Elend herrschte in unserer Gemeinde Prag, auch noch große Krankheit und buchstäbliche Seuche um unserer Sünden willen und viele Hunderte von Angesehenen starben. Möge Gott sagen, es ist genug unserer Leiden und dem verderbenden Engel, laß ab deine Hand. Amen, so sei es sein Wille. In der Nacht vom 4. auf den 5. Elul (3. September), entstand ein großer Brand bei dem Hradschiner Tor in der Befestigung Lothringens, den sie selbst angestiftet hatten, da sie die Ställe, die sogenannten Batterien, in Brand steckten, in der darauffolgenden Nacht verbrannten sie sie ebenso bei dem Spitaltore und da sah man auf den Wällen, daß das lothringische Heer zurückgewichen war. Da gingen hunderte von Juden und Nichtjuden auf die Schanzen und da sahen wir die Schäden, die das lothringische Heer am Hradschin und an den Wällen durch.