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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 324

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 324)
Language
German
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IRI
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309 das Schießen gehört, die Erde erzitterte auch, die Himmel troffen, wir waren ständig in Angst und Furcht wegen des Getöses und schrecklichen Lärmes, so daß uns das Blut erstarrte. Am 14, Menachem (14. August) befahl de Broglie, daß alle Bewohner der Stadt, von groß bis klein ohne Ausnahme, binnen 3 Tagen ihr Silber in der Münze abliefern sollten,19) während der Verlautbarung auf ihrem Rathause, schrien viele Bürger, wer hat je solches gesehen oder gehört; bisher mußten wir alles hergeben, was wir an barem Gelde hatten, eine gewaltige Summe und nun sollen wir auch noch das Silber hergeben, Jahrhunderte alte Erbstücke, lieber sollen sie uns töten als daß wir etwas hergeben. Wir wollen sehen, was dann geschehen wird, wenn sie einen von uns mit dem Tode bestraft haben werden. Als der Ratsherr Sasek sah, wie die Stadtbewohner zornig schrien, sagte er ihnen, er war ein Kluger, der das Kommende voraussah: Kinder, gehet nachhause, ich werde mich bei den Franzosen für Euch verwenden. Am nächsten Tage wurde ausgerufen, die gestrige Verlautbarung habe sich nicht auf das wenige Silber bezogen, das die Einwohner besitzen, sondern auf das königliche Silber, die großen Gerätschaften des Adels und der Vornehmen, so wurde das Verhängnis aufgehoben. Am 16. Menachem (16. August) wurde ein Fasten für alle zwischen 15 und 60 Jahren ausgerufen, wir hielten Jomkipur Katan und beteten viel. In dieser Nacht wurde ein Palast auf dem Weinberge, das sogenannte Tscherbinhaus,20) durch Pulver zerstört, uns befiel großer Schrecken, da wir nicht wußten, was das Feuer und der Lärm bedeute, bis wir bei Morgenanbruch die Zerstörung sahen. Am 19. des Monats (19. August) stürmten die Franzosen aus der Stadt gegen das österreichische Heer, es kam zu einem großen Kampfe, das wiederholte sich dann häufig bei Tag und Nacht. Wir hörten immer in der Stadt den großen Kriegslärm; jedesmal fiel von beiden Seiten eine große Zahl, hunderte von Verwundeten wurden in die Stadt gebracht. An diesem Tage kam das österreichische Heer nach dem Dorfe und der Judenfremeinde L i e b e n, es entstand ein erbitterter Kampf; durch das gegenseitige Gewehrfeuer wurde ein Mädchen getötet, nachdem man dieses begraben hatte, zogen die meisten Gemeindemitglieder her nach Prag. Am Sabbat des Wochenahschnittes Matoth (26. August) gingen 3 Gemeindemitglie-

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