Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 323)
- Language
- German
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308 Juden zur Schanzarbeit schicken sollten, abgesehen von den 40 Gulden, die man auf seinen Befehl täglich zu den Kosten der Arbeit beisteuern mußte. Donnerstag, den 24. d. M. (26. Juli), fiel von dem Berge, auf dem die Juden Schanzerbeit leisteten, ein großes Stück zur Erde auf Lob Absatzmacher, zerschmetterte ihm den Schädel und zerquetschte ihn so, daß sein Gesicht kaum zu erkennen war. Die Juden trugen ihn mit Militärwache in seine Wohnung und er wurde am selben Tage ehrenvoll bestattet, er ließ sein Leben für ganz Israel. Am 29. Tamus (31. Juli) befahl Marschall de Broglie, man möge ihm ein genaues wahrheitsgemäßiges Verzeichnis sämtlicher Gemeindemitglieder, von klein bis groß, nach Zahl und Steuer geben, man wußte nicht zu welchem Zwecke. Am Montag, den 3. Ab (3. August) befahl er dann, daß binnen 24 Stunden 6000 Juden die Stadt verlassen sollten, falls sie dies nicht täten, werde er 1000 Eeiter in die Judenstadt schicken, die wahllos Juden bis zu dieser Zahl ergreifen und aus der Stadt vertreiben würden; darob herrschte Jammer, Klage und Trauer in unserer Gemeinde, gar viel — auch Selichoth — wurde in den Synagogen gebetet und auf den Gräbern der Frommen am Friedhofe. Die Gemeindevorsteher hielten eine Sitzung ab und schrieben Bittgesuche an die französischen Herren und gingen auch mit den Metzer Juden zu ihnen und machten ihnen unter bitteren Tränen Vorstellungen, daß die 6000 Juden, falls sie aus der Stadt hinaus müßten, sich weder nach rechts noch nach links wenden könnten, denn draußen wüte das mörderische Schwert der Österreicher, die sie töten würden; so müßten sie zwischen den Mauern des Hungers sterben oder als Opfer der Ge schösse. Wäre aber bloß die Absicht durch die Vertreibung der Juden die Zahl der Esser zu vermindern, so sind wir doch alle Söhne eines Vaters „Kinder der Wohltätigen",18) wir wollen unser Brot mit unsern Armen teilen, so daß Euch durch uns nichts mangeln soll. Durch Gottes Hilfe und Gnade kamen sie zu einer Verständigung mit Marschall de Broglie, indem sie sich verpflichteten, ihm Stroh und Futter für die Pferde, das um diese Zeit sehr teuer war, zu liefern, sie gaben ihm um ungefähr 10.000 Gulden und das Verhängnis wurde aufgehoben. Am 9. Ab (19. August), als wir in der Synagoge waren, gegen Schluß der Kinoth, hörten wir das Getöse der Schüsse und anderer vieler Waffen, auch in der ganzen Stadt wurde