Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 320)
- Language
- German
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305 der französische Oberst wollte aber kein anderes Haus als die Synagoge und befahl die Synagoge auszuräumen, Stockwerke iiineinzubauen und auch Türen zum Friedhofe, damit man vom Friedhofe aus mit Wagen und Pferden hinkommen könne, Getreide holen. Auf viele tränenreiche Interventionen einigte man sich mit dem Stadthauptmann, dem Franzosen Schweizer und dem Herrn Sasek dahin, daß man ihnen binnen 2 Tagen als Ersatz für die Synagoge 1900 Gulden zahle, ungerechnet die Auslagen für den Bau neuer Stockwerke zu Magazinszwecken im sogenannten Kotzenhause beim Markte.11) Diese Vereinbarimg teilte der Stadthauptmann der Altstadt den Herren der Deputation mit, die sie bestätigten mit der Verfügung, daß in Hinkunft keine Synagoge mehr zu Magazinen oder dergleichen angefordert werden dürfe. Der Oberst Schweizer nahm den Juden zum Trotz bei all dem das Badhaus, den sogenannten Badhof, weg, und verlegte für lange Zeit die Getreidemagazine dahin. Am Montag, 4. Nissan (8. April 1742) um Mitternacht kam nach Pisek, 10.........12) von Prag ein großes österreichisches Heer, so daß die Franzosen gezwungen waren, eiligst viele Meilen von dort zu flüchten; wegen der Eile der Soldaten aus den Toren Piseks herauszukommen, wurden mehrere Hundert von ihnen erdrückt, sie ließen Kriegsgeräte u. dergl., Geld und Geldeswert in der Höhe von mehreren Millionen Eeichstalern zurück. Am Montag 6. Sivan (8. Juni) kamen die Franzosen plötzlich nach Königsaal, eine Meile von Prag, dort hielten sie an und lagerten. Weil ihnen gemeldet wurde, daß das österreichische Heer in ihrer Nähe sei, flüchteten sie bis eine halbe Stunde vor Prag und errichteten eine Befestigung um die Stadt; nach einigen Tagen kam das ganze Heer Österreichs bis 2 Stunden vor Prag und bauten Schanzen und Wälle nahe um die ganze Stadt, den ganzen Tag gabs kleine Kämpfe, sogenannte Scharmützel, zwischen den Österreichern und Franzosen. Die Österreicher nahmen nach und nach die Bauten in der Nähe Prags einzeln ein,13) nach einigen Wochen kamen Hunderte Tolipatschen, Panduren und Slowaken vom österreichischen Heere in das Dorf und die jüdische Gemeinde Lieben bei Prag, an der Wostrov14) genannten Seite, wenige Tage darauf begannen sie die Festung und die Franzosen in der Nähe der Stadt von mehreren Orten aus zu beschießen. Diese flohen alle in die Stadt, einige von ihnen schlugen ihre Zelte am Laurenzi genannten Berge auf, viele 20