Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 318)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0775-2645117- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
303 Franzosen gaben wie üblich zwei Soldaten in das Wachhaus in der Pinkasgasse, die auf die Judenstadt besonders achthaben sollten; sie erlaubten den Juden auch nicht, in „Kres448) und Mantel zu gehen, nicht einmal in der Judenstadt, weil dies bei den Juden in ihren Ländern nicht Brauch ist. — Einige Tage später wurde an allen 3 Plätzen der Stadt verkündet, daß man das französische Geld annehmen müsse, den Taler um 2 fl. 243/4 kr., den Dukaten um 4 fl. 15 kr.; kleine Münzen bekamen wir nicht mehr zu sehen wie früher; dadurch wurde der Handel der Juden immer geringer, alltäglich kam es zu Zänkereien und Streitigkeiten, denn wenn jemand eine Kleinigkeit kaufte, und sei es nur etwas zum Essen oder Trinken, so zahlte er mit diesen großen Münzen. Viele Menschen erlitten dadurch um unserer Sünden willen große Schäden. Am 28. Kislev 502 (6. Dezember) ritt ein Feldherr mit einer großen Schar von Reitern des bayrischen Heeres mit Trommeln und Trompeten und verkündeten, daß der Herzog von Bayern zum König über Prag und das ganze Land Böhmen eingesetzt worden sei. Am Donnerstag darauf ritt der König von Bayern mit allen Fürsten seiner Regierung durch die drei Städte; nachmittags schoß man aus den großen Geschützen der Festung Freudenfeuer zur Ehre des Königs. Am 2. Tewes (9. Dezember) schwuren die Bewohner dem König von Bayern als König Treue, danach setzte er den Chevert zum Gouverneur und Herrscher über die Stadt Prag ein. Im Monate Tewes (Dezember) herrschte große Kälte, sodaß alle Flüsse zufroren; aus Furcht, es könnten die Österreicher plötzlich über den Strom kommen, befahlen die Franzosen, daß das Eis auf der Moldau Tag und Nacht durch Tausende christlicher Dorfbewohner aufgehackt und weggeräumt werde. Mittwoch, den 5. Schebat (10. Januar 1742) schickte der französische Intendant de Sechelles einen Befehl in französischer Sprache, man möge schleunigst Leinen vorbereiten, um Decken daraus zu machen9)........... schickte den jüdischen Leinwandhändlern einem jeden drei Soldaten als Exekution, die länger als zwanzig Tage bei ihnen blieben und ihnen große Kosten verursachten, außer Essen und Trinken, Schlafgelegenheit und Licht erhielt jeder 27 kr. täglich. Endlich übernahmen einige Gemeindemitglieder diese Lieferung von unserer Gemeinde um 15.000 Gulden; der erwähnte Befehlshaber gab mündlich die Zusicherung, daß er bald zahlen werde, er zahlte aber nichts. Am Donnerstag,