Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 317)
- Language
- German
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302 fielen General Weißbach und einige Führer, von Geschossen getroffen, tot von der Leiter; die übrigen Soldaten erstiegen die Mauern mit Leitern, öffneten das Neutor, töteten mehrere Soldaten, die sie auf der Mauer fanden, vielen Soldaten nahmen sie ihre Kleider weg, einige Hunderte von ihnen nahmen sie gefangen, an die Juden legten sie aber nicht Hand, sondern sagten ihnen „Gehet nachhause". Sobald man in der Judenstadt erfahren hatte, daß die Feinde gewaltsam in die Stadt eingedrungen seien, wurde ausgerufen, in die Synagoge zu gehen und Psalmen zu lesen. Um 6 Uhr morgens kamen einige Reiter in die Judenstadt und verlangten Brot und Branntwein, da gingen einige Juden mit ihnen, die französisch sprachen, und gaben ihnen zu essen und zu trinken. Sie sagten den Juden, fürchtet euch nicht, denn der König hat befohlen, alle Personen — Juden oder Christen — unangetastet zu lassen, auch nicht zu plündern. Dann ging man in die Synagoge Bußgebete und Psalmen beten, wir dankten Gott und priesen ihn, der uns so große Wunder erwiesen, daß niemand von uns auf den Schanzen getötet wurde oder zu Schaden kam, auch nicht bei der Eroberung der Stadt» Möge uns unser Gott nie verlassen und verstoßen. Amen! Am Sonntag, den 18. Kislev 502 (26. November) kam ein Offizier mit einigen Soldaten im Auftrage des französischen Königs zu den Gemeindevorstehern, sie möchten sofort 2000 Dukaten hergeben, damit die Judengassen nicht geplündert werden; falls sie dies nicht täten, werde er den Soldaten Auftrag zum Plündern geben; er stellte seine Uhr auf den Tisch und gab ihnen 2 Stunden Zeit dazu; sie brachten dem Offizier wirklich die 2000 Dukaten. Zur selben Zeit befahl auch ein Heerführer des Königs von Sachsen, ihm 4000 Dukaten zu geben, damit sie die Judenstadt nicht plündern, er schickte sofort nach einigen Stunden 30 Soldaten als Exekution für die Gemeindevorsteher, am Montag noch 30 und am Donnerstag noch weitere, sodaß es im Ganzen 100 waren; die Ausgaben für Essen und Trinken waren sehr groß, abgesehen davon, daß man jedem täglich 1 fl. geben mußte. Dazu nahmen sie noch den Rabbiner R. Jonathan und einige Gemeindevorsteher in Gewahrsam auf der Altstadt, und ließen niemanden zu ihnen, sodaß man ihnen 3000 Dukaten geben mußte, ohne die Auslagen an ihre Führer, die einige Tausend Gulden betrugen; danach entließ man sie aus dem Gefängnis und nahm die Exekution aus der Judenstadt. Die