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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 314

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 314)
Language
German
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IRI
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299 (29. Oktober) befahl das Rabbinat an jedem Morgen nach dem Achtzehngebet Selichot, Sechor, einmal das Sündenbekenntnis;, Anenu, mi scheanah zu beten, am Montag und Donnerstag das „Wehu rachum" laut zu sagen, manchmal auch am Abend vor Taehnun „Owinu Malkenu" und nach der Tefillah 10 Kapitel der Psalmen zu rezitieren; alltäglich wurden durch das Los 18 Männer bestimmt, die zu fasten hatten und in der Altneuschul zusammen kommen sollten, tun Selichoth und Psalmen zu rezitieren und am Abend vor dem Gebete Psalmen zu sagen. Die Auslosung geschah unter Aufsicht des Rabbiners und Predigers Jonathan Eibschi t z; täglich ging der Diener jedem Betroffenen mitteilen, daß er am nächsten Tage zu fasten und zum Gebet in die Altneuschul zu kommen habe. Am Dienstag, den 28. Marcheschwan 502 (7. November) leisteten die Studenten den Eid, sich für den Kampf bereit zu halten, sie wählten sich Vorsteher und gingen mit Waffen und Fahnen und Trommeln wie andere Soldaten. — Ihr Wachhaus lag gegenüber dem Markt, an dem Orte, wo die Ärzte ihre Session halten, dem sogenannten Karolinum; da befiel große Angst unsere Gemeindemitglieder, weil die Studenten ihnen stets Böses wollten, und erst recht jetzt, wo dem Verderber freie Hand gegeben war. Aber durch Gottes Barmherzigkeit gelang es den Gemeindevorstehern sich mit ihnen zu vergleichen, sie gaben blauweiße Seidenmaschen für ihre Mützen, ihren Anführern goldene;5) so verwandelten sich die Feinde in Freunde und hielten trefflich Wache auf dem Tandelmarkte, so daß man in Sicherheit dort sitzen konnte. Wären alle Meere Tinte, so reichten sie nicht hin, ausführlich das große Wunder zu beschreiben, das Gott, gelobt sei Er, unserer Gemeinde damit erwiesen. Am Mittwoch den 29. (8. November) ließen die Gemeindevorsteher in unseren Gassen ausrufen, es dürfe niemand Rindfleisch teuerer als um 7 Kreuzer und Lammfleisch um 5 Kreuzer kaufen, weil die Kaiserin einen Nachlaß von einen Kreuzer gegen die frühere Abgabe auf das Pfund Fleisch gewährt habe. Zu dem angesehenen R. Mischel Jeiteles, der vom Gemeindevorstand mit der Aufsicht hierüber betraut worden war, kamen einige Fleischer — Mordechai Reich mit seinen Söhnen und seinem Bruder Samuel — wutentbrannt ins Haus, als ob sie ihn schlagen wollten, da rief er durch das Fenster nach der Wache; diese kam,

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