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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 313

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 313)
Language
German
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IRI
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298 König von Frankreich die Stadt Linz in Österreich; da befahlen die Vorsteher der Gemeinde Prag am Neujahrstage 502 (11. September 1741) gemeinsam mit dem Rabbinate in allen Synagogen auszurufen,3) es sei strenge verboten, daß Männer und Frauen an den Festtagen andere als Sabbatkleider anlegen. Auch sei es verboten, an Werktagen Gewänder mit Gold oder Silber zu tragen, am Simchas Thora sollte man zu den Umzügen nicht viele Thorarollen ausheben, der Bräutigam sollte auch nicht, wie üblich, zur Braut gehen, nicht einmal am Tage. Auch wurde in allen 3 Prager Städten ausgerufen, Juden wie Nichtjuden sollten sich mit Lebensmitteln versehen, damit keine Hungersnot entstehe, wenn die Stadt, Gott behüte, belagert werde. Wer sich nichts vorbereiten könne, möge Prag verlassen. — Am 8. Tischri (18. September 1741) begannen die Juden mit Schanzarbeiten, Soldaten gingen vor Tagesanbruch mit Trommeln diese Männer wecken. Die Gemeindevorsteher bestellten vier Richter und Aufseher zur Überwachung dieser Arbeiter. Am Rüsttage des Versöhnungstages (19. September 1741) gingen die Juden für den halben Tag hin, an jedem Sonntag mußten dreihundert Juden hingehen, um den Ausfall am Sabbat, an dem sie nicht arbeiteten, einzubringen. Das Volk zerstreute sich nach den vier Richtungen der Stadt zur Arbeit an den Wällen. In der Nacht des Neumonds Cheschwan (11. Oktober 1741) war ein großer Stern sichtbar, dessen feuriger Sehweif von Nordost nach Nordwest ging und strahlte wie der Mond in der Mitte des Monates; die Sterndeuter deuteten ihn zum Bösen, er bedeute einen großen Krieg und wirklich entstand in diesem Jahre ein großer, gewaltiger Krieg, weil der König von Preußen und der Kurfürst von Bayern das Reich der Kaiserin, ihre Herrlichkeit werde erhöht, erobern wollten. Am Vortage dieses Neumonds begannen die allnächtlichen Wachen in unserer Gemeinde, wozu jedesmal 40 Balebattim4) ausgelost wurden; wer ausgelost wurde, mußte persönlich gehen, durfte keinen Ersatzmann stellen, nicht einmal ein Gelehrter oder Vorsteher. Sie waren auf 8 Orten in unseren Straßen verteilt, die Vornehmsten unter ihnen saßen im Hause des R. Feiwel Barbirer, sie hatten die Schlüssel unserer Stadttore in der Hand; zweimal des Nachts ging ihr Kommandant selbst durch alle unsere Gassen, um unsere Gemeindemitglieder auf den Wachen zu inspizieren und unsere Gemeinde zu bewachen. Am 19. Cheschwan 502

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