Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 315)
- Language
- German
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300 doch die Fleischer stießen sie hinaus und zerbrachen ihnen die Waffen. Kaum hörte General Ogilvy davon, als er schon 20 Soldaten in den Laden dieser Fleischer beorderte, das Fleisch zu bewachen, daß sie es nicht verkaufen, und 18 Husaren in das Gemeindehaus, sodaß die Vorsteher selbst gezwungen waren, die Fleischer zu suchen und auszuliefern, aus Furcht, die Husaren würden sonst die Judenstadt plündern. Die Husaren ritten sofort mit gezücktem Schwerte mit ihnen auf die Kleinseite, als ob sie des Todes schuldig wären; auch wurde ihnen an Hände und Füße Eisen angelegt. An diesem Tage gingen wir nicht auf den Tandelmarkt, wir waren tatsächlich eingeschlolssien. (Erst nach wochenlangen Bemühungen der Gemeindevorsteher und des Rabbiners Jonathan Eibschitz wurden sie Gottlob gegen Zahlung einer Strafe von mehreren hundert Gulden aus dem Gefängnis entlassen. — Am Donnerstag den Neumond Kislev 502 (9. November 1741) erkannten die Gemeindevorsteher, daß sie die große Last nicht allein tragen könnten, denn in diesen außergewöhnlichen Zeiten brachte jeder Tag, jeder Morgen neue Lasten und darum wählten sie für je zwei Judengassen, drei der angesehensten Gemeindemitglieder dieser Gasjsen, um ihnen zu helfen, wann immer es notwendig sei; nach ihren Weisungen habe man sich zu verhalten, sie gaben ihnen Stab und Eiemen zur Verwendung nach ihrem Gutdünken. — Am Freitag, den 2. Kislev 502 (10. November) hörte man, daß das französisch-bayrische Herr in der Nähe Prags sei; da befahlen die Behörden, daß die Juden Tag und Nacht auf den Schanzen Wache zu halten hätten, sowie das andere Volk und bei den großen Geschützen, die „Stuck" genannt werden, zu helfen. Am heiligen Sabbath durften die obenerwäliriten Kommissäre aus den Gemeindemitgliedern aut Vermittlung des Gemeindevorstandes 100 Nichtjuden anstatt der Juden mieten. — Sonntag, den 4. Kislev (12. November) nach Mittag war großer Lärm, als ob das Heer nach Prag gekommen wäre; man durchzog die Stadt mit Trommeln und verkündete, es solle sich jeder mit gezücktem Schwerte auf den Schanzen bereithalten. Da entstand große Verwirrimg, die Kommission 'der Gemeindemitglieder befahl bei strenger Strafe, vor jedem Hause und auf den Dachböden Fässer mit Wasser aufzustellen. 100 Juden mußten sich auf den Rathäusern der 3 Städte und im Karolinum aufstellen, um Feuerwache zu halten,6) die Juden in der Stadt waren