Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 310)
- Language
- German
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295 großen Sohne seines großen Vaters R. Mosche Brandeis, genannt R. Mosche Charif zu, des Rabbiners von Jungbunzlau und Mainz, dessen Nachfolger er 1750 als Rabbiner in Jungbunzlau wird. Rabbi Bezalel Brandeis leitet den dritten Teil mit seinem vollen Namen ein und beschließt ihn auch mit voller Unterschrift unter Angabe seiner Genealogie, er erklärt auch, die Schrift für seine Nachkommen geschrieben zu haben, damit sie den Tag der größten Gefahr (den 21. Kislev) und als Tag seiner Errettung den 27. Kislev durch ewige Zeken als Gedenktage feiern. Der dritte Teil der Igereth Machalath ist also bestimmt von R. Bezalel Brandeis geschrieben, ebenso sicher aber nur dieser Teil, denn schon sprachlich unterscheidet sich der dritte Teil durch seine flüssige Eleganz und reiche Anwendung der talmudischen Phraseologie von den andern, wenn auch diese, selbst der vierte Teil imit seinen zahlreichen jüdisch-deutschen Einschiebseln von einem Bibel- und Talmudkundigen geschrieben sind. Außer der Sprache zeugen dafür eine Reihe von Umständen. Der Name Igereth Machalath ist im Texte nur am Schlüsse des zweiten Teiles nachweisbar im Bezug auf die ersten Teile; den dritten Teil nennt R. Bezalel Brandeis selbst Igereth Bikoreth. Die Ausdehnimg des Namens Igereth Machalath auf alle 4 Teile geht auf einen imbekannten Kompilator zurück, wobei zu bemerken ist, daß das erste Titelblatt nur drei Teile kennt, während der 4. Teil auch wieder ausdrücklich als vierter Teil der Igereth Machalath bezeichnet wird, weiters lehnt R. Bezalel Brandeis im dritten Teil die detaillierte Schilderung von Vorgängen ab, weil er sie erstens nicht mit erlebt hat und weil sie zweitens schon geschildert wurden, während der Verfasser des zweiten Teiles sie beschreibt; vielleicht bezieht sich der Hinweis R. Bezalels gerade auf die ihm bekannten ersten zwei Teile der Igereth Machalath. Ein sehr gewichtiges Argument gegen die Autorschaft R. Bezalel Brandeis am ersten und zweiten Teil bildet die Tatsache, daß der Verfasser des ersten Teiles zum Schlüsse auch einen Gedenktag festsetzt, aber nicht wie R. Bezalel für seine Familie, sondern für die Allgemeinheit (6. Tewes anläßlich des Abzuges der Franzosen). Nehmen wir also an, daß Igereth Machalath von 3 Verfassern stammt, u. zw. der erste und zweite Teil von einem, den ich bald festzustellen hoffe,*) der dritte Teil, das Igereth bikoreth, von R. Bezalel Brandeis, der vierte Teil von einem späteren und daß nur ein Kompi-