Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 283)
- Language
- German
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277 Dann erschossen sie ihn und ließen ihn nicht lebend vollenden den heiligen Namen des Ewigen, unseres Einzigen. Darauf peinigten die Übeltäter den vornehmen R. Mosche, der zum Vorsteher unserer Gemeinde erwählt worden war, verwundeten ihn mit Säbelhieben und schössen loderndes Feuer in sein Herz. Und in gleicher grausamer Wut erschossen diese Schützen seinen Schwager R. Zebi, Sohn des Assarja, und R. Ar je, Sohn des Meir, R. Joel, Sohn des R. Josua, R. Jehuda, Sohn des R. Israel, R. Benjamin, Sohn des R. Jakob, schlugen sie mit Axt und Beil, feuerten mit dem Brandrohre eine Bleikugel in den Mund und töteten so mit dieser außergewöhnlichen Todesart die Häupter und Besten unserer Gemeinde. Auf R. Meir, Sohn des Assarja, schössen und stachen sie solange ein, bis er auf der Straße niederstürzte und seine Seele dem Schöpfer zurückgab, der sie ihm gegeben hatte. Ebenso verfuhren sie auch mit seinem Schwager R. Israel, Sohn des R. Abraham. Sie hieben mit dem Schwerte auf ihn ein, er aber entfloh aufs Feld, das Blut entströmte ihm, bis er dahinsank und starb. Wie den Tieren des Feldes jagten sie uns nach, sodaß wir nicht auf der Straße zu gehen wagten. Fürwahr, es erstarren die Haare auf unserem Leibe, wenn wir uns an den rabbinischen Gelehrten, R. Salomon, Sohn des R. Elieser, erinnern, einen Greis satt an Jahren, denn auch das Antlitz des Greises schonten sie nicht. Mit einer Axt schlugen sie auf die Stirn und den Scheitel dieses frommen Mannes, zwei Tage lag er auf der Straße, bis er seine Seele aushauchte mit dem Bekenntnis der Einheit Gottea Wehe, daß sie an uns den Vers erfüllten: „Auch der Knaben, Jünglinge und Jungfrauen werden sie sich nicht erbarmen44. Denn sie schössen ins Herz und erschlugen ohne Erbarmen den Jüngling Nathan, Sohn des R. Jedidja, die drei Frauen Hendel, Gitl und Schifra, durchbohrten sie mit Schwertern und hieben ihnen die Köpfe ab. Heil ihnen, daß sie bald gestorben sind, die frommen Frauen unseres Volkes. Auch die zwei Bräute, Jittl und Muskat und die Jungfrau Sarah erschossen die Unholde und schnitten ihnen die Brüste ab. Und alle zusammen stimmten das „Schema Jisrael" an und endeten ihr Leben mit dem Bekenntnis des Ewigen, unseres Gottes. Wer kanns hören, ohne im Inneren zu erbeben, daß nach all diesem die Erschlagenen neun Tage lang liegen bleiben mußten, bis sie zu Grabe gebracht wurden in den Staub des Ortes unserer heiligen Erde. Außerdem wurden geschlagen und verwundet die übrigen Leute unserer Gemeinde vom Jüngling an bis zum Greise, Kinder, Frauen an einem Tage, als sie flohen, um sich irgendwo auf dem Felde zu verbergen. Ihr Blut rann auf den kahlen Stein, ohne verdeckt zu werden und der Schnee ist scharlachrot geworden von dem Blute dieser unserer Brüder, unseres Fleisches. Darnach drangen die Räuber und die übrige Schar der Bösewichter in die jüdischen Häuser der Ermordeten und der vor Schmerz Stöhnenden unseres Volkes ein. Sie plünderten ihre ganze Habe und ließen nicht den geringsten Rest übrig. Neun Tage lang plünderten und raubten sie, zerschlugen die Öfen und die Fenster und riefen: Verflucht sei alles bis in den Grund hinein.