Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 282

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 282)
Language
German
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2644300-2644303--0739-2645081
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

276 Tempel, in die Stätte unseres Heiligtums im Kleinen, zerrissen, verbrannten und traten mit Füßen wie Straßenkot die heiligen Bücher und die Lehre unseres Gottes. Sie raubten Silber, raubten Gold, alle heiligen Geräte aus Silber, Gold und Kupfer, alle Holzgeräte zerbrachen und zerschmetterten sie im Hause unserer Lust. Dann schleppten sie aus seinem Lehrhaus unseren Stolz, unseren Lehrer und Meister, den Gaon Rabbi Jona, den Vater unseres Gerichtskollegiums, der scharfsinnig und belesen war in der offenkundigen und Geheimlehre, in allen Winkeln der schriftlichen und mündlichen Lehre, wie unsere Weisen uns gelehrt haben. Wie ein Lamm zur Schlachtbank zerrten sie ihn an den Haaren seines Hauptes und rauften ihm den Bart aus und schleppten ihn so hinaus in die Straßen der Stadt. Da erst ließen die Unholde ab und gaben sich zufrieden, als sie ihn mit dem Brandrohre in den Mund schössen. Wehe! Da fiel die Krone unseres Hauptes! Nackt, ohne Bekleidung warfen sie ihn auf die Straße, wie Dünger auf den Acker. Erde nicht bedecke sein Blut, das in den Straßen vergossen wurde wie Wasser auf die Erde. In dieser Weise fuhren die Übeltäter fort, die Großen und Besten unseres Volkes zu peinigen. Alle sind sie ja mit ihren Namen auf dem Gottesacker unserer Gemeinde benannt. Rabbi Arje, den Kohen, gerecht und fromm, schleppten sie nackt und unbekleidet in der Kälte umher und schlugen ihn solange mit Axt und Beil, bis er mit den Worten „Schema Jisrael" und mit dem Bekenntnis der Einheit Gottes seine Seele aushauchte. Nach ihm ergriffen diese Verfluchten den R. Meir Kohen und den R. Jakob Kohen, schössen auf sie, durchbohrten sie mit Schwertern und Lanzen und vergossen ihr Blut wie Wasser auf der Straße. Ferner quälten die Übeltäter den R. Benjamin, Sohn des R. Ephraim, einen Hervorragenden in unserer Gemeinschaft, und schnitten ihm mit gezücktem Schwerte den Kopf ab. Darauf drangen diese Räuber in das Haus des vornehmen R. Chaim, Sohn des R. Josua, ein, der Vorsteher unserer Gemeinde war. Ein Baum des Lebens war er denen, die an ihm festhielten. Ein Wohltäter der Armen übte er Mildtätigkeit, Recht und Tugend in unserem Volke. Er befand sich mit mehreren anderen im Versammlungshause unserer Stadt und als sie die Feinde her anstürmen sahen, sprangen sie in den Garten. Da schössen ihnen die Schützen nach und töteten den R. Simon, Sohn des Jakob Josef, R. Abraham Levi, R. Ascher und andere, die sich in Schlupfwinkeln verstecken wollten. Den schon genannten hochgeehrten R. Chaim aber ergriffen sie, marterten und bedrängten ihn, bis er ihnen sein ganzes Silber und Gold und unsere Kleinode auslieferte. Darnach schleppten sie ihn in sein Obergemach hinauf und durchbohrten ihn mit Schwertern bis er seinen Geist aufgab in voller Bekenntnis zum Schöpfer und Bildner unseres Leibes und unserer Seele. Dem R. Abraham, Sohn des Menachem, spreizten sie die Hände aus, schlugen ihn mit Nägeln an das Tor und peinigten ihn mit martervollen Qualen, damit er den Namen anderer Götter ausspreche. Er aber blieb standhaft in seiner Frömmigkeit und rief unaufhörlich das „Schema Jisrael".

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.