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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 275

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 275)
Language
German
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269 Ducke, Franz Nase und andere mehr. Hannes Michael schleppte Zirl, die Tochter des Moyses Mendel, in den Gassen herum und redete ihr zu: „Weise lieber, wo du eure Mobilien hast und euer Zinn. Ihr müßt ja geerbt haben. Was laßt du dich so martern und herumführen?" Von einem Manne, der in Leipa unter dem Namen „der Lex44 bekannt war und sich und seine Familie aufs kümmerlichste ernährte, wird berichtet, daß er bei der Plünderung eine Menge Kleider, Betten und andere Vorräte zusammenstahl. Auf dem Wege unter dem Spitzberge hielt er den Juden Salomon Schneider an, bedrohte ihn am Leben, ließ ihn aber dann laufen. Dem Tuchmacher Michael Kellner lief ein Plünderer vom Lande in die Hände, als er mit einem Sack voll Beute die Judengasse verlassen wollte. Er nahm dem Manne den Sack ab und behielt ihn selber. Das Wüten der Panduren und Husaren Simbschens gegen die Juden in Leipa währte von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Am Abend zogen sie aus der Stadt ab und trafen wider alles Vermuten, wie Herrschaftshauptmann Vatter sagt, in Neuschloß wieder ein. In Leipa blieben nur einige wenige Soldaten zurück, die ihren Eaub vertranken oder den Zivilisten noch bei der Nachlese in der Judengasse halfen. Am Vormittag des folgenden Tages (10. Dezember) ritt Hauptmann Vatter von Neuschloß in die Stadt, um sich persönlich über die Ereignisse des vergangenen Schreckenstages zu informieren. In den in barbarischer Weise verwüsteten Judenhäusern fand er außer einigen schwer Verwundeten keine anderen Juden, dafür aber eine Menge Stadt- und Landvolk, welches damit beschäftigt war, alle Winkel der Judenhäuser vom Keller bis zum Dache durchzustöbern und das Wenige, was von der Plünderung des vorigen Tages übrig geblieben war, wegzuschleppen. Er ließ die Hyänen unter Anwendung von Gewalt vertreiben und ordnete an, daß eine Wache von 20 Neuschlosser Untertanen und einigen herrschaftlichen Jägern die Judenhäuser Tag und Nacht bewache. Die Wache wurde am Sonntag, den 13. Dezember, wieder eingezogen, da bis zu diesem Tage eine größere Anzahl der geflüchteten Juden wieder heimgekehrt war. Die Bewachung der Häuser erwies sich übrigens als völlig unnütz. Denn in das Haus der ermordeten Schifra, der Witwe nach Chaim Berschel, war am Freitag, den 12. Dezember, ein Mann eingedrungen, der darin endlich den vom Pöbel schon früher

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