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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 273

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 273)
Language
German
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IRI
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267 die Wolle wirklich dem genannten Juden gehöre, boten die Soldaten die im Schlosse befindlichen 7 Ziehen Wolle feil und verkauften sie nach langem Feilschen, und zwar zum Preise von 2 Gulden für die Ziehe, an die Tuchmacher Bernhard Melzer, Wenzel Bartl, Anton Zumpe, Franz Piller und an den Schneider Joseph Knische. Während dieses Handels hatte sich der Schloßhof mit mehr als 100 Zivilisten gefüllt, welche die Soldaten aufreizten, im Schlosse auch noch nach anderen jüdischen Waren, die hier in großer Menge versteckt seien, zu forschen. Es wurden denn auch mit Hilfe der Leute alle übrigen Keller und Gewölbe erbrochen. Allein außer der Wolle fand sich im Schlosse nichts, was des Wegschleppens wert gewesen wäre. Wir haben mit Bedauern gesehen, daß die an den Leipaer Juden verübten Verbrechen nicht von den Panduren und Husaren allein begangen worden sind, sondern daß auch zahlreiche Leipaer Bürger und Leute aus der Umgebung der Mitschuld geziehen werden müssen. Die Mordtaten sind allerdings ausschließlich der verrohten Soldateska zur Last zu legen, doch an der Mißhandlung der Juden und an der Plünderung ihrer Habe, an dem Kauf von Raubgut aus den Händen der Soldaten nahm ein Teil der Zivilbevölkerung, Männer und Frauen, von Anfang an teil. Darüber entnehmen wir der „Species facti1' eine ganze Reihe von Einzelheiten, die insgesamt auf Aussagen von Christen und Juden beruhen. Am ärgsten hauste der schon genannte Wenzel Melzer mit seinen Spießgesellen aus Auscha. Ihm, dem Hetzer und Anführer der Panduren, fiel der Löwenanteil an der Beute zu. Was er und seine Leute nicht selber raubten, kauften sie den Soldaten billig ab. Melzer ließ einen Teil seiner Beute noch am 9. Dezember auf zwei vollbeladenen Lastwagen abtransportieren. Er selbst blieb in Leipa zurück und betrieb mit dem Rest einen schwunghaften Handel. Bezeichnend ist, daß er am 10. Dezember zwei Ziehen Wolle, die er im Hause Chaim Dubs geraubt hatte, auf die Stadtwage brachte. Die Wolle wog 23 Stein 10 Pfund und es kauften sie den Stein zu 6 Gulden die Tuchmacher Wenzel Tschakert und Wenzel Rastenberger. Andere begnügten sich mit geringerer Beute, mit Kleidern, Betten, Hausgeschirr und Einrichtungsstücken. So der Geselle der Sommerschmiedin aus der Töpfergasse, der mit dem Hammer gegen die Juden ausgerückt war, niemanden

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