Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 272)
- Language
- German
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266 Doch kehren wir zur Schilderung der weiteren Ereignisse des 4. Dezember 1744 und der folgenden Tage zurück. Den Soldaten war es, wie schon gesagt, vor allem um Gold, Silber, Edelsteine, Perlen und um Geld zu tun. Zu diesem Zwecke durchsuchten sie alle Winkel der Judenhäuser und was sie fanden, verschwand in ihren Brotsäcken. Die große Ware, wie Wolle, Leder und dergleichen boten sie an Ort und Stelle feil, den Kleinkram schafften sie in vollgestopften Säcken in die Stadt zum Verkauf. So kam ein Haufen von Panduren und Husaren in das dem Joseph Langer gehörige Wirtshaus zum „Schwarzen Bossel" und brachte zwei große Säcke mit, die seidene Bänder, kostbare Spitzen, Musselin und andere feine Sachen enthielten. Im Verlauf des Trinkgelages, das nun anhub und an dem auch Leipaer Insassen teilnahmen, kauften den gesamten Beutekram zu gemeinsamer Hand die Bürger Franz Ring, Gabriel Ducke der jüngere und Bernhard Melzer und zahlten für den einen Sack 11 Dukaten und für den anderen 6 Dukaten. Mit der in den Judenhäusern gemachten Beute gaben sich aber die Soldaten keineswegs zufrieden. Sie spürten auf Grund von Angaben einzelner Denunzianten jüdischem Eigentum auch in der Stadt selbst bei einigen Christen nach, welche von den Juden tagszuvor Waren und Wertgegenstände zur Aufbewahrung übernommen haben sollten. Ihr Gewinn bei dieser Aktion scheint aber sehr gering gewesen zu sein. Gewalt durften sie nicht anwenden und freiwillig gaben nur wenige Bürger die Sachen heraus. Da verriet ihnen jemand, daß im herrschaftlichen Schlosse Wolle aufgespeichert sei, die dem ermordeten Chaim Dub gehöre. In Begleitung des Richters der Töpfergasse rückte eine Anzahl von Panduren vor das Schloß und verlangte Einlaß. Als der Torwächter, der über diesen Vorfall selbst berichtet, dem Verlangen nicht sofort entsprach und Einwendungen erhob, erzwangen sich die Soldaten den Einlaß mit Gewalt, schlugen den Wächter wund, so daß er tagelang krank lag, erbrachen trotz seiner Beteuerung, daß die im Schlosse eingelagerte, von den Herrschaften Neuschloß und Hauska stammende Schafwolle noch Eigentum des Grundherrn sei, weil sie der Jude Chaim Dub noch nicht bezahlt habe, die Gewölbe. Mittlerweile waren auch 7 Husaren mit dem schon genannten Tuchmacher Bernhard Melzer in das Schloß eingedrungen. Auf dessen Behauptung hin, daß die Angabe des Schloßwächters unrichtig und