Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 269)
- Language
- German
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263 wurde auf ihn eine Jagd veranstaltet, nach ihm geschossen, wer in einem Versteck ertappt ward, wurde in grausamster Weise mißhandelt. Wie in dieser Hinsicht gehaust wurde, beleuchtet eine Episode, deren Augenzeugin die Schafferin des herrschaftlichen Meierhofes Dorothea Kriesche und ihr Gesinde waren. Herschel Lichtenstadt hatte im Garten des Schwarzfärbers Joseph Albrecht Zuflucht gesucht, war aber entdeckt worden. Der Besitzer des Gartens ergriff ihn, mißhandelte ihn derart, daß er bewußtlos zusammenbrach. Dann schleppte ihn Albrecht mit zwei anderen Männern zum nahen Mühlgraben, in welchen sie ihn hineinstürzten. Im eisigen Wasser des Mühlgrabens, der damals offenbar nicht zugefroren war, gewann der Bedauernswerte das Bewußtsein wieder. Er griff ins Ufergebüsch, um sich festzuhalten. Die Unholde schlugen ihn aber auf die Hände und stießen ihn ins Wasser zurück. Er watete dann dem anderen Ufer zu und es gelang ihm, dasselbe zu erklimmen und sein Leben durch Flucht über die Wiesen zu retten. Herrschaftshauptmann Vatter fügt der Zeugenaussage der Schafferin über diesen Vorfall die Bemerkung hinzu, daß es anderen Juden ähnlich ergangen und fährt dann fort: „Wo ein Jud sich nur hat blicken lassen, wurde auf denselben zugeschlagen oder aber zu selbten gemeldet, daß er sich flüchten solle, widrigens und ansonsten alle erschlagen werden würden, dahero auch ein jeder sich verborgen und davongelaufen, wie auch das beste gemacht, daß sich auch keiner etliche Tage lang nicht sehen zu lassen getrauet, bis endlichen sich dieser Tumult etwas gestillet/1 Wie die Juden in die Wälder auf dem Spitzberg, in nah und ferngelegene Gehöfte und Dörfer — es werden Ober- und Niederliebich, Hospitz, Manisch, Wolfersdorf, Schaiba, Blottendorf, Bokwen, Langenau und Pärchen genannt — flüchteten, wie es ihnen auf ihren Irrfahrten erging, wie Familienmitglieder die anderen suchten, fanden oder auch nicht fanden, das erzählt Lippmann, Chaim Herschels und der ermordeten Schifra Sohn, in seinen chronikalischen Aufzeichnungen in derart anschaulicher Weise, daß sich jede weitere Schilderung erübrigt. All dem, was er über seine persönlichen Erlebnisse auf seiner Flucht berichtet, ist meines Erachtens voller Glauben beizumessen. Seine Angaben über die Zahl der Todesopfer der Leipaer Judenmetzelei in Leipa und deren Todesart sind