Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 266)
- Language
- German
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260 durchstöberten das ganze Erdgeschoß, dann zerrten sie ihn unter Mißhandlungen in die oberen Räume, wo er ihnen das versteckte Geld zeigen sollte. Als er beteuerte, weder Geld noch Kostbarkeiten mehr zu haben, gab ein Soldat einen Schuß auf ihn ab, der ihn am Beine traf, ein anderer versetzte ihm mit dem Pallasch einen Hieb in die Schläfe, sodaß er sterbend zusammenbrach. Im Verein mit Zivilisten durchsuchten und plünderten die Soldaten das Haus vom Dachboden bis zum Keller. Hier und im Garten fanden sie einige versteckte Juden, welche sie zum Teil niederhieben, zum Teil erschossen, als sie über den Garten zu flüchten suchten. Es waren dies Simon Bunzel, Abraham Ausch, Wolf Gumpert und Lamel Löbl. Vor dem Hause lief ihnen der junge Nathan Gottel in die Hände. Sie mißhandelten ihn und streckten ihn mit einem Schusse nieder, der ihn mitten ins Herz traf. Liebele, die Witwe des ermordeten Chaim Dub, mußte aus ihrem Verstecke zusehen, wie ihr Haus ausgeräumt wurde. Den Soldaten war es nur um Geld und Kostbarkeiten zu tun, das andere trugen Zivilisten hinweg. So sah sie, wie sie später mit ihren Söhnen bezeugte, wie der Bürger Wenzel Bartel eine ganze Ziehe Wolle aus ihrem Gewölbe zuerst in das Haus des Karl Goldberger und von da in Körben in sein eigenes Haus schleppte. Sie sah auch, wie der Tuchmacher Thomas Schiffner, der am Gartenzaune stand, von einem Panduren eine Ziehe geraubter Wolle erhandelte und wie seine beiden Töchter aus ihrem Hause Betten und andere Sachen in zwei großen Körben davontrugen. In ähnlicher Weise betätigten sich ein Seifensieder aus der Wiedengasse und Gottfried Kühneis Weib, die von den Panduren aus Chaim Dubs Gewölbe eine Ziehe Wolle um einen Dukaten kaufte. Zwei aus dem Hause entwendete hebräische Bücher stellte sie wieder zurück, Schauplatz ähnlicher Greuelszenen war das Haus des Mesulanhändlers Abraham Mändel. Uber die Vorgänge in seinem Hause berichtete Abrahams Gattin Esther dem Herrschaftshauptmann Vatter nachträglich folgendes: Als die Plünderung begann, sei ein bürgerlicher Schlossermeister, den man insgemein den Tirolerschlosser hieß, mit einem Husaren in ihr Haus eingedrungen. Ihnen folgte auf dem Fuße ein Haufen anderer Plünderer. Im Verein mit Sari, der AVitwe nach Josel Mändel, habe sie den Schlosser gebeten, sie in Schutz zu nehmen. Dieser aber habe sie mit einem