Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 265)
- Language
- German
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259 einer neuen Plünderung aufzuhetzen, bei der sie sieh selbst zu betätigen hofften. Für die Fortschaffung der erwarteten Beute hatten sie sogar zwei leere Lastwagen mitgebracht. Der Führer dieser drei war Wenzel Melzer, ein gebürtiger Leipaer, der kurz zuvor in Auscha geheiratet und sich dort niedergelassen hatte. Er wurde insgemein der „Hungar" genannt, weil er die magyarische Sprache beherrschte. Ihm fiel es deshalb nicht schwer, die Soldaten in ihrer Sprache für seine Zwecke zu bearbeiten. Es gelang ihm auch vollkommen. Unter dem Vorwand, sich in Leipa Quartiere zu suchen, wie es ihnen angeblich seitens der Offiziere versprochen worden war, brach die Mehrzahl der Panduren und der Husaren auf und marschierte, begleitet von Melzer und seinen Spießgesellen, der Stadt zu. Dieser führte sie sofort in die Judengasse vor dem Kreuztor. Hier teilte sich die bewaffnete Menge in einzelne Haufen, die entsprechend den Winken Melzers sofort in jene Judenhäuser eindrangen, in denen die reichste Beute vermutet wurde. Ein Haufe stürmte das Haus, welches Synagogenzwecken diente. Die Soldaten erbrachen die verschlossene Tür. Die ebenerdige Wohnung des Rabbiners Jonas Nathan wurde geplündert, die Einrichtung zerstört. Auf der Stiege in den Oberstock, wo eine große Stube als Synagoge eingerichtet war, stellte sich den Eindringlingen Rabbi Jonas bittend entgegen. Sie schlugen ihn zu Boden, rissen ihm die Kleider vom Leibe, schleppten ihn an den Haaren über die Treppe hinab in den Gassenkot. Hier jagte ihm dann einer der Rasenden eine Kugel in die Brust. Oben hausten sie in barbarischer Weise, raubten alle Gefäße aus edlem Metall und Kupfer, zertrümmerten die Geräte, zerrissen die Thorarollen und Bücher und warfen sie durchs Fenster auf die Gasse. Ein anderer Trupp drang gleichzeitig in das Haus des bisherigen Gemeinderichters Chaim Dub, der als der reichste Leipaer Jude galt. Liebele, seine Ehefrau, hatte mit ihren beiden Söhnen beizeiten ein sicheres Versteck im Garten aufgesucht. Chaim war im Hause geblieben. Bei ihm befanden sich einige Gemeindeälteste, die aber, als die Haustür erbrochen wurde, sich zum Teil im Keller versteckten, zum Teil in den Garten flüchteten. Chaim stand den Räubern, denen sich einige Zivilisten zugesellt hatten, allein gegenüber. Alles Gold und Silber sollte er hergeben. Er gab, was er hatte, ohne Widerstand. Das war ihnen nicht genug. Sie