Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 264)
- Language
- German
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258 den Judenhäusern selbst oder bei als verläßlich angesehenen christlichen Nachbarn unterzubringen. Denn man wollte für alle Fälle vorgesorgt haben. Die aus Neuschloß kommenden Unterhändler fanden die Männer der Gemeinde versammelt in der Judenschule oder Synagoge, in deren Erdgeschoß der Rabbiner Jonas Nathan mit seiner Familie wohnte. Der Bescheid, den sie brachten, schien freilich geeignet, auf die in Angst und Sorge erregten Gemüter beruhigend einzuwirken. Dennoch aber ging die Meinimg der überwiegenden Zahl der Anwesenden dahin, daß entsprechende Vorkehrungen zu treffen seien, um wenigstens die Frauen und Kinder in Verstecken in der Stadt selbst oder außerhalb derselben in Sicherheit zu bringen. Allem Anschein nach haben auch wirklich schon in der Nacht nicht wenige Familien die Stadt verlassen, um in entfernt liegenden Dörfern oder im Walde Schutz zu suchen. Die Mitglieder dieser Familien konnten wenigstens ihr Leben retten. Jene, welche dem Versprechen der Panduren Glauben schenkten und zurückblieben, sollten ihre Vertrauensseligkeit in furchtbarer Weise büßen. Am frühen Morgen des 9. Dezember begab sich, wie Johann Vatter berichtet, der Adjutant des Pandurenbataillons in Begleitung des schon erwähnten aus Teplitz stammenden Strumpfwirkers, der sich als Husarenleutnant verkleidet hatte, von Neuschloß in die Stadt Leipa, um das von den Juden zu erlegende Lösegeld von 200 Dukaten zu erheben. Er erhielt jedoch, es wird nicht gesagt weshalb, nicht den vereinbarten Betrag, sondern nur 170 Dukaten. Dennoch zeigte er sich befriedigt, versicherte, daß keine Plünderung stattfinden werde und gab den Juden den Rat, ihre Häuser nicht zu verlassen. Sie baten ihn noch um die Ausstellung einer Salva guardia. Er versprachsie auch. Doch hielt er nicht Wort, sondern ritt mit dem erhaltenen Gelde nach Neuschloß zurück. Hier hatte die Lage mittlerweile einen völligen Umschwung erfahren. Die Soldaten wollten von der Vereinbarung ihrer Offiziere mit den Leipaer Juden nichts mehr wissen und hatten sich entschlossen, die Plünderung durchzuführen. In der Abwesenheit des Adjutanten waren nämlich drei Männer aus Auscha eingetroffen, welche schon dort die Panduren beraten und ihnen beim Rauben geholfen hatten und die nun durch Schilderungen des Reichtums der Leipaer Juden die Raubgier der Soldaten reizten, um sie zu