Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 263)
- Language
- German
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257 nommen hätte, wenn der anbefohlene Abbruch der Verfolgungsaktion und die angeordnete Rast in der Nähe der Stadt Leipa den Soldaten nicht die Möglichkeit und Muße geboten hätte, ihren wilden Instinkten vollkommen freien Lauf zu lassen. So kam es zu der furchtbaren Metzelei und Plünderung der Juden in Leipa, welche den an den Prager Juden verübten Pogrom an bestialischer Grausamkeit noch übertraf. Die nun folgende Darstellung der Ereignisse in Leipa gründet sich vor allem auf die von dem Neuschlosser Herrschaftshauptmann Vatter aufgenommene „Species facti41 vom 9. Jänner 1745. Das Detachement Simbschen war von Drum kommend gegen Abend des 8. Dezember 1744 in Neuschloß bei Leipa eingerückt und hatte sich sofort im herrschaftlichen Schlosse einquartiert. Die Kunde, daß die Soldaten die Juden in Auscha und anderwärts geplündert, war ihnen schon vorausgeeilt. Der Juden in Leipa bemächtigte sich berechtigte Angst, ein gleiches Schicksal zu erfahren. Sie faßten den Entschluß, einen Versuch zu unternehmen, ob nicht durch ein freiwillig gebotenes Lösegeld die ihnen drohende Plünderung abgewendet werden könnte. Noch am selben Abend stellten sich die Vertreter der Juden bei dem Herrschaftshauptmann von Neuschloß Johann G. Vatter mit der Bitte ein, er möge sich ihrer annehmen und die Soldaten veranlassen, gegen entsprechende Entschädigung sich jeder Gewalttat gegen die Leipaer Juden zu enthalten. Hauptmann Vatter sagte zu und wie er selbst versichert, hat er auch wirklich nichts unversucht gelassen, um eine Plünderung zu verhindern. Nach langen und erregten Verhandlungen mit den Offizieren, bei welchen er nicht nur an deren Menschlichkeitsgefühl appellierte, sondern sich auch auf das kürzlich eingelangte strenge Plünderungsverbot der Statthalterei berief, erreichte er er endlich, daß sich dieselben gegen eine von den Juden sofort am andern Morgen zu entrichtende Summe von 200 Dukaten verpflichteten, ihren Soldaten die Plünderung zu verbieten. Die das Ergebnis der Verhandlungen abwartenden Vertreter der Judenschaft kehrten spät in der Nacht nach Leipa zurück, um ihren in Sorge wachenden Glaubensgenossen den beruhigenden Bescheid mitzuteilen. Sie trafen die Bewohner aller Judenhäuser in fieberhafter Tätigkeit. Es galt alle Sachen von Wert, die nicht schon früher verborgen worden waren, in sicheren Verstecken in 17