Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 261)
- Language
- German
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255 Auscha und Leipa gab insbesondere ein aus Teplitz gebürtiger Strumpfwirker, der in der Uniform eines Husarenleutnante mit ihnen zog, ausgiebigen Bescheid, auch in Leitmeritz hatten sie viel Verlockendes gehört. Als sie darum am Vormittag des 5. Dezember 1744 in die Stadt Auscha einrückten, welche knapp zuvor die letzten Preußen verlassen hatten, ließen sie sich, anstatt dieselben zu verfolgen, sofort die Judenhäuser in der böhmischen Vorstadt weisen. Diese waren versperrt und ihre rechtzeitig gewarnten Bewohner geflüchtet. Die Soldaten schlugen mit Kolben und Äxten Türen und Fenster ein, drangen in die Häuser und raubten alles, was ihnen des Wegtragens wert erschien. Was sie nicht mitnehmen konnten oder wollten, wurde zertrümmert oder beschädigt. Bei der Plünderung halfen einige Auschaer mit, andere Insassen und aus den zunächst gelegenen Dörfern herbeigeeilte Bauern kauften den Räubern die Beute um billiges Geld ab. Den durch die Plünderung verursachten Schaden an Gold, Silber, Bargeld, verschiedenen Waren, Effekten, Messing und Kleidern gaben die Auschaer Juden Isak, Löbl und Simon in einer am 26. Juni 1745 bei der Statthaltern eingebrachten Beschwerde mit 40.000 fl. an.23) Im Mai 1745 wurden auf Befehl des Leitmeritzer Kreisamtes die Auschaer Bürger Wenzel Ducke, Wenzel Roth, Anton Kühnel und Ignaz Weber verhaftet und ins Kreisgefängnis nach Leitmeritz eingeliefert. Jedoch nicht etwa wegen nachgewiesener Teilnahme an der Plünderung, sondern lediglich deshalb, weil sie sich hartnäckig weigerten, einzugestehen, daß sie, wie die Juden behaupteten, immer noch im Besitze einer Menge von gestohlenem Gute seien. Mit dem Dekrete vom 30. Juni 1745 trug die Statthaltern dem Kreisamte auf, die Genannten solange in Arrest zu halten, bis sie die eidliche Versicherung würden abgegeben haben, daß sie außer den bereits eingegebenen Waren keine anderen mehr haben, daß sie die eingestandenen Sachen von Soldaten erkauft und nicht selbst geplündert, daß sie keine Effekten von anderen Leuten bekommen haben. Ducke fiel es besonders schwer, sich reinzuwaschen, denn er hatte einen Bauer, der um 2 Gulden geplünderte Seidenballen gekauft hatte, die so schwer waren wie 3/4 Strich Getreide, überfallen und ihm die Ware abgenommen.24) In der Folge hatten sich übrigens noch viele andere Auschaer Insassen wegen Verheimlichung von Raubgut vor dem Kreisamte zu