Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 260)
- Language
- German
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254 versprachen aber wiederzukommen und sie hielten Wort. Um Mitternacht vom 12. auf den 13. Dezember erschien, von Leitmeritz kommend, ein Zug von 14 Warasdinern in Soborten, trieb die Juden aus ihren Betten und Wohnungen und plünderte, unterstützt von einigen Zivilisten, diesmal mit einer Gründlichkeit, die wirklich fast nichts übrig ließ. Auf drei Lastwagen wurde die Beute noch vor Tagesanbruch hinweggeführt. Was nicht mitgenommen werden konnte, Hausrat, Öfen, Türen, Fenster und anderes wurde in barbarischer Weise zerschlagen und vernichtet. Der Mordlust der Räuber fielen auch zwei Menschenleben zum Opfer, ein 18jähriges Mädchen, die Tochter des Moyses Salomon, die im Hause des Salomon Strasser im Dienste stand, und ein 12jähriger verwaister Knabe. Beide hatten durch Brustschüsse ihren Tod gefunden.20) Während der Rast in Leitmeritz hatte Graf Einsiedel seine Truppen neu formiert Um den über Auscha, Leipa, G rottau und Friedland geplanten Rückzug leichter und rascher durchführen zu können, stieß er eine Menge nachgeführter Lasten ab. Den zurückgelassenen Proviant mußten die Leitmeritzer von den Preußen kaufen. Die aus Prager Palästen mitgeführte und auf fünf großen Schiffen verladene Offiziersbeute, welche auf dem Elbstrom nach Magdeburg hätte schwimmen sollen, ließ er verbrennen. In den Morgenstunden des 4. Dezember trat er mit seinen in drei Kolonnen formierten und nur mit dem Notwendigsten ausgerüsteten Preußen den Weitermarsch an. Im Laufe des Vormittags überschritt jedoch auch Simbschen mit seinen Leuten bei Lobositz die Elbe und rückte nachmittags in Leitmeritz ein. Hier nahm er von dem zurückgelassenen preußischen Gut Besitz, ließ 15 Mann als Wache zurück und eilte am 5. Dezember frühmorgens den Preußen nach.21) Auf seinem Wege lag die Stadt Auscha mit ihrer alten und wohlhabenden Judengemeinde, die in gewissem Grade als Expositur der Leipaer Gemeinde galt, da ihre Familien seit altersher in engsten verwandtschaftlichen und geschäftlichen Beziehungen mit den Leipaer Juden standen. Die Juden in Auscha bewohnten in der sogenannten böhmischen Vorstadt acht Häuser, die sie seit 1542 allmählich käuflich erworben hatten.22) Wie über alle anderen in ihrem Marschbereiche befindlichen Judensiedlungen waren Simbschens Leute auch über die in Auscha gut unterrichtet. Über die reichen Juden in