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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 259

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 259)
Language
German
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IRI
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253 Verhalten der Juden in Böhmen überhaupt und in Prag im besonderen während des Bayern- und Franzoseneinfalles von 1741—1742 und vor allem während der preußischen Okkupation im Herbste 1744. So stand es um die Leipaer Judenschaft, als über sie die entsetzliche Katastrophe hereinbrach. Am 26. November 1744 hatten die Preußen die Landeshauptstadt, die sie zehn Wochen lang besetzt gehalten, fluchtartig räumen müssen, beim Abmarsch durch die Gassen der Prager Kleinseite hart bedrängt und bis an das Karls- (Bruska-)tor verfolgt von den über Smichov und Strahov in die Stadt eingedrungenen irregulären österreichischen Truppen, die aus einem Bataillon Dalmatiner unter Oberstleutnant Cognazzo und einem Streifdetachement Warasdiner Husaren und Temeswarer Panduren unter Major von Simbschen bestanden. An einer weiteren Verfolgung des in allgemeiner Unordnung abziehenden Feindes lag aber diesen wilden Gesellen vorläufig nichts. Sie hatten eine andere Aktion in der Stadt selbst vor, auf die ihre Raubgier längst schon brannte: Die Attake auf die Prager Judenstadt. Im Verein mit dem von der harten Faust der Preußen befreiten Prager Pöbel schritten sie sofort zur Tat. Wie sie dort hausten, ist bekannt, 15 tote und viele schwer verletzte Juden lagen in den Gassen und Häusern des völlig ausgeraubten Ghetto.18) Erst am 29. November nahm Major Simbschen mit 400 Panduren und 60 Husaren die Verfolgung der Preußen, welche inzwischen Generalleutnant Graf Einsiedel bei Welwar notdürftig gesammelt hatte, wieder auf. Das Dalmatinerbataillon, dessen Führer Cognazzo am 26. November im Straßenkampfe in Prag gefallen war, weigerte sich mitzumarschieren und wurde aufgelöst. Bei Libochowitz gewann Simbschen wieder die Fühlung mit dem Feinde und nahm ihm einige Trainwagen samt der Bedeckung ab. Am 30. November überschritt Einsiedel bei Leitmeritz ungehindert die Elbe und ließ seine schwer ermüdeten Truppen einige Tage ruhen. Um eine Belästigung von Seiten Simbschens zu verhindern, ließ er die Leitmeritzer Elbbrücke zum Teil demolieren.19) Während die Panduren auf dem linken Ufer vor Leitmeritz kampierten, streiften die Husaren in Patrouillen die Gegend ab und drangen bis Teplitz vor. Bei dieser Gelegenheit statteten sie den Juden in Soborten einen kurzen Besuch ab, der aber im großen und ganzen glimpflich verlief. Sie

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