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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 258

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 258)
Language
German
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IRI
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252 Auf ein Haus kamen demnach durchschnittlich nahezu 24 Personen. Tatsächlich beherbergten aber 8 Häuser mehr als je 24 Leute, zwei davon 33, eines 34, eines sogar 40 Personen. Die geringste Bewohnerzahl hatte das Haus des Jakob Gans mit 9 Personen. Im Jahre 1733 gab es in Leipa 61 Ehepaare, also 122 Ehemänner und Ehefrauen mit 179 Kindern, ferner 23 Witwer und Witwen mit 38 Kindern und 12 einzelstehende Personen, demnach im ganzen 369 Kopfe.16) Wie groß die Seelenzahl der Judengemeinde ein Jahrzehnt später, im Jahre 1744, immittelbar vor der hier zu erzählenden Katastrophe war, konnte nicht festgestellt werden. Es kann aber mit ziemlicher Sicherheit angenommen werden, daß die Zahl 380 nicht wesentlich überschritten worden sein dürfte. Im Jahre 1741 war der nie ganz beigelegte alte Streit zwischen der Grundherrschaft und der Stadt um das Eigentumsrecht an den Gründen, auf denen sich auch der Judenfriedhof befand, infolge einer Gewalttat des Herrschaftshauptmannes Vatter, der ein von der Stadtgemeinde hier aufgeführtes Gebäude demolieren ließ, neuerlich entbrannt und wurde wieder von beiden Parteien jahrelang mit Hartnäckigkeit weitergeführt. In seinem Verlaufe wurde auch die Frage der JudizialJurisdiktion über die Juden von neuem aufgerollt. Der damalige Grundherr, Johann Adolph Graf Kaunitz versuchte seinem Standpunkt unter allen Umständen Geltung zu verschaffen und er scheint dabei, wie aus einer ihm von der Statthaltern erteilten Rüge zu schließen ist, seine amtliche Stellung — er fungierte damals als Hauptmann des Leitmeritzer Kreises, dem Leipa angehörte — mißbraucht zu haben, um die um den Rest ihrer einst nicht geringen alten Rechte und ihren Besitz unter den schwierigsten Verhältnissen ringende Stadt seinem Willen zu beugen.17) Das Vorgehen des Grafen, welches Rat und Bürgerschaft als schwere Bedrückung und Kränkung empfanden, mußten freilich, wie immer bisher, die Leipaer Juden entgelten. Die schwer gereizten und bedrängten Bürger sahen in ihnen Schützlinge und gefügige Helfer des Grundherrn und seiner Beamten und ließen sie, wo immer sich Gelegenheit bot, ihre unfreundliche Gesinnung in entsprechender Weise fühlen. Diese ungünstige Stimmung wurde in hohem Grade verschärft und endlich bis zu offenkundiger Feindseligkeit gesteigert durch die wie allerorten im Lande so auch in Leipa verbreiteten Gerüchte über das angeblich hochverräterische

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