Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 251)
- Language
- German
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245 der Plünderung in Leipa und anderwärts teilgenommen hatten, straflos blieben, erscheint kaum glaublich, obwohl diese Möglichkeit in Anbetracht der damaligen allgemeinen Lage der Juden in Böhmen, an die gerade der Ausweisimgsbefehl Maria Theresias ergangen war, und die trotz aller seitens der Prager Statthalterei erlassenen Schutzzusicherungen nahezu vogelfrei waren, nicht völlig von der Hand zu weisen ist Klarheit in dieser Frage konnte ich bisher nicht gewinnen. Vielleicht gelingt es mir aber doch noch später einmal. Bevor ich jedoch an die Ausführungen über mein eigentliches Thema gehe, sei es gestattet, die Entwicklung der Leipaer Judengemeinde von ihrem Auftreten als solche in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts bis ins 18. Jahrhundert hinein und ihre allgemeine Lage in dieser Zeit kurz zu schildern. Die erste Nachricht über die Siedlung von Juden in Leipa stammt aus dem Jahre 1562. Am 19. Mai des genannten Jahres sandte der Rat der königl. Stadt Leitmeritz dem Rate der Stadt Leipa ein an der Elbbrücke aufgefangenes, von irgendeinem Juden an einen Glaubensgenossen in Leipa gerichtetes hebräisches Schreiben mit dem Ersuchen, dessen Inhalt zu prüfen und falls nichts Gravierendes darin enthalten sei, dasselbe dem Adressaten auszufolgen.4) Es ist aber anzunehmen, daß im Jahre 1562 nicht etwa nur ein einziger Jude oder nur eine einzige Familie, sondern ihrer schon mehr, und zwar schon vor diesem Jahre vorhanden waren, also eine kleine Judengemeinde, die denn auch wirklich einige wenige Jahre später, nämlich im Jahre 1570, mit 14^ steuerpflichtigen Köpfen bezeugt wird.5) Eine weitere Nachricht über den Bestand einer Judengemeinde in Böhm.-Leipa finden wir in einem auf Befehl des Johann von Wartenberg auf Neuschloß und Bösig angelegten Urbar vom 14. August 1579.6) Es werden darin in der dem Herrn von Wartenberg 2;u drei Vierteilen gehörigen Stadt Leipa die jüdischen Hauswirte Wlayr, Salomon und Elias und die Inleute Jokuf, Israel, Lazarus und Isak genannt, deren jeder der Obrigkeit zu Georgi und zu Galli je 48 Groschen böhm. zu zinsen hatte. Es ist anzunehmen, daß nicht allein die als Hauswirte bezeichneten drei, sondern auch die als Inleute genannten vier Juden Häupter von mehr oder minder zahlreichen Familien waren, so daß die Gesamtzahl der damals in Leipa wohnhaften