Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 216)
- Language
- German
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210 sondern genug andere Obliegenheiten, die er um dieses Prozesses willen oft hintangesetzt habe. Augenblicklich könne er nichts neues für das Verfahren vorbringen. Aber er wisse, daß die Judenschaft es darauf angelegt habe, die Sache zu übereilen, damit gewisse Umstände, die sie gern verborgen halten würde, durch weitere Untersuchung nicht an das Tageslicht kommen. Die Landeshauptmannschaft gab Patzelt auf diese Eingabe am 1. April 1735 den Bescheid: Er hätte nach Möglichkeit die Sache des arrestierten Juden David zu beschleunigen, damit dieser Arrestierte nicht mehr mit allzu langem Arrest „gequält" werden möchte. Und so geschah es, daß nach weiteren fünf Wochen, am 10. Mai, das Urteil des Bürgermeisters und Rats von Olmütz im Namen des dortigen Halsgerichtes**) auf Freisprechung und Freilassung Joseph Davids erfolgte; — das Urteil, aber nicht die Freilassung. Denn kaum hatte Joseph David das Olmützer Gericht verlassen, war ein neuer Haftbefehl gegen ihn wegen eines andern ihm zur Last gelegten Vergehens ergangen, den das Gewitscher Stadtgericht auszuführen beauftragt wurde. Die Durchsicht der bei ihm beschlagnahmten Sachen hatte ein rätselhaftes und daher verdächtiges Brieflein zutage gefördert, das, als es dem Prokurator Patzelt bekannt geworden war, von diesem zu einer neuen Anklage und Untersuchung benützt wurde. Es stammte vom ehemaligen Boskowitzer Judenrichter Jakob Donath, der früher einmal fürstlich Dietrichsteinischer Bestandinhaber (Pächter) der dortigen Alaunhütte gewesen war, war hebräisch geschrieben und lautete in deutscher Übersetzung, die beim Verhör Donaths vorgelesen und zu den Akten gelegt wurde, wörtlich folgendermaßen: „Von Boskowitz. — An alle Judenrichter und Geschworene. Ich kann mir meine Ohren nicht zustopfen, daß der Schmole von Jaromierzitz zu mir thut schreien: er ist all sein Tag gewesen zu Jaromierzitz und hat mit euch Juden ein Vergleich gemacht, als wie es der jüdische Landesbrauch Klenowitz (bei Kojetein) „auspraktiziert" habe. Allerdings sei der Knabe dann nach Bisenz entkommen und dort Christ geworden. — Benedikt wurde verhaftet, auch in die Olmützer Frohnveste gebracht, vor das dortige Halsgericht gestellt, aber freigesprochen. ••) S. Beilage X.