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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 201

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 201)
Language
German
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IRI
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195 prokurator Patzelt erklärte in einer amtlichen Zuschrift an die Landeshauptmannschaft das Nichterscheinen Löbels damit, daß dieser das Gewitscher Gericht wegen der Beziehungen, die der Judenrichter zu diesem habe, wo er gut angeschrieben und mit den maßgebenden Persönlichkeiten bekannt sei, als nicht unbefangen ablehne, was der Kammerprokurator als berechtigt anerkennt. Er verlangt mit der Konfrontation ein anderes Halsgericht oder eine andere „Stelle" zu betrauen. Mehr Erfolg hatte die Einholung von gutachtlichen Äußerungen. Der gräflich Salmsche Wirtschaftshauptmann Christian Joseph Schindtier in Oppatowitz erstattete an das Gewitscher Gericht zu Händen von Bürgermeister und Rat am 15. November 1733 einen Bericht, der allein hätte genügen müssen, den Brünner Behörden über Löbel und seine Komplizen die Augen zu öffnen.*) Er beschwert sich, wieviel Zeit er schon mit den gegen Hänsel Löbel, Israel Totsch, Salomon Skokan und Abraham Marcus, gräflich Salmsche Untertanen in der Gewitscher Judenstadt, fort und fort einlaufenden Klagen verbraucht habe. Er könne von ihnen nichts gutes vermelden; ein Lügen, Betrügen, bei Juden und Christen Schulden machen und sie nicht bezahlen, darin seien sie solche „Künstler", daß man wenige ihresgleichen würde finden können. Aber Hänsele, wie er Löbel nennt, sei hierin den anderen voraus. Er gebraucht den Vergleich, er sei imstande jemanden auf einen Turm hinauf und wieder hinunter zu führen, ohne daß dieser es gemerkt hätte; das soll wohl heißen: völlig zum Narren zu halten, ohne daß man es anfangs merkt. Er bezeichnet ihn als einen „vortrefflichen Gaukler", dem keine Verstellung zu schwer ist: er weine und lache, wenn es darauf ankomme, schmeichle und verfalle in Krämpfe, sterbe, heule, stelle sich bald taub, bald stumm, schwören und leugnen sei bei ihm „in einem Sack", betöre, wessen er ansichtig werde. Und die anderen drei seien seine Bundesgenossen, Schüler („Scholaren"), die von ihrem Professor zwar noch nicht alles, aber doch schon was rechtes gelernt haben. Er zählt dann ihre ihm bekannten Schulden auf, die sich auf etwa 1500 Reichstaler belaufen, wobei man überrascht ist *) Vgl. Beilage VII, wo ein Teil des Schreibens wegen seiner originellen und drastischen Ausdrucksweise wörtlich wiedergegeben ist.

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