Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 197)
- Language
- German
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191 Fast scheint es, daß die Larideshauptmannschaft noch immer die ganze Angelegenheit lieber ad acta gelegt hätte, wie ehedem Fuxstein, allein da es sich um den Fiskus, um rückgehaltene Steuern von einem bedeutenden Vermögen und überdies um religiöse Angelegenheiten handelte, mußte dem Finanzprokurator das erste Wort gelassen werden. Es kann nicht überraschen zu hören, daß der ohnehin mit Podagra behaftete David erkrankte, doch konnte, wie spätere eidliche Aussagen von Juden und Christen bewiesen, von einer wirklich ernsten Krankheit, geschweige von Lebensgefahr nicht die Rede sein. Allein der schlaue Hansel Löbel benützte diesen Zwischenfall sofort, um dem Kammerprokurator sei es mündlich sei es schriftlich die Sache so darzustellen, daß der Fiskus großen Gefahren ausgesetzt werde, wenn man nicht rechtzeitig die notwendigen Vorkehrungen treffe. Und Patzelt, den Einflüsterungen des Denunzianten merkwürdigerweise vollstes Gehör schenkend, machte sofort bei der Landeshauptmannschaft Vorstellungen, daß unter solchen Umständen Davids Vermögen „unfehlbar" verschwinden und nach seinem Tode „nicht das geringste" mehr zum Vorschein kommen werde, wenn man nicht raschest handle. Er setzte es bei der Landeshauptmannschaft durch, daß diese dem Olmützer Kreishauptmann am 16. Oktober den Befehl zukommen ließ, sich sogleich über die Krankheit Davids zu erkundigen, und falls die geringste Besorgnis wegen Verschleppung des Vermögens vorhanden wäre, dieses in Sicherheit zu bringen, genau zu verzeichnen und nichts davon ohne sein, des Kreishauptmanns, Wissen wegschaffen zu lassen. Unverzüglich kam Miniati dem Auftrag nach, holte beim Gewitscher Stadtrat Erkundigungen ein und berichtete am 28. Oktober 1733, daß Davids Krankheit „zwar nicht ohne" gewesen sei, da er einige Zeit zu Bett liegen mußte, an Seitenstechen und schwerem Atem litt, der Zustand sich aber sichtlich schon gebessert habe. Das Verzeichnis seiner Habe („Effekten44) sei bereits angefertigt*) und der Gewitscher Rat habe zu größerer Sicherheit, weil man nicht wissen *) S. Beilage V. — Die Konsignation vermag einen gewissen Einblick in den bescheidenen Hansstand eines besser situierten Juden in einer Kleinstadt und in den Umfang seines Ledergeschäftes zu geben.