Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 172)
- Language
- German
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166 gestern trotz viermaliger Vorladung zum Amte nicht erschienen ist — er ist die Ursache des ganzen jüdischen Aufruhrs —, falls nicht eine gehörige Verfügung erfolgt und der Magistrat vom Gesindel beständig beleidigt wird, werden wir eine gnädige Obrigkeit um ein weiteres Remedium (Abhilfe) ersuchen. Was ist das für eine Polizei, wenn das Bürgermeisteramt nicht Macht über einen schlechten Juden hat, der den Pflichtigen Gehorsam verweigert: und diese schädlichen und halsstarrigen Juden wollen ein jeder Richter sein! Unterschrieben: Wenzel Holy, Primator, Josef Suda, Bürgermeister, Franz Zdrähal, Bürgermeister, Karl Spieka, Bürgermeister,18) Johann Martin Wächtler, syndicus loci. Der Oberamtmann Friedl entgegnete, sie sollten bei der Obrigkeit nur fleißig Beschwerde führen, es stehe ihnen frei; hätte der Bürgermeister die Angelegenheit dem Schwihauer Burggrafen abgetreten, der hätte schon die raufenden Juden zu bändigen verstanden. Was für Scherereien ein löblicher Magistrat auch sonst mit den Juden hatte, zeigen die folgenden beiden Vorfälle, die unter vielen ähnlichen, noch kleinlicheren herausgegriffen seien: Am 23. Mai 1781 übersenden Bürgermeister und Stadtrat dem Oberamtmann Friedl nachstehende Beschwerde: Vorgestern, d. i. den 22. hujus, als nach einem vor vielen Jahren gemachten Gelübde die Schwihauer — wie alle Tage in der Oktav des hl. Johannes von Nepomuk — um die 6. Nachmittagsstunde mit der Prozession zur Statue dieses Heiligen gezogen waren und dort ihre Gebete verrichteten, traf sichs, daß der jüngste Sohn der Jüdin Fürthin, Wolf, mit einer Fuhre in die Stadt gefahren kam, und da er als junger unerfahrener Bursche mit den Pferden nicht umzugehen versteht und solche junge Pferde nicht lenken und leiten kann, so ist er da an der Stelle, wo er um die Schulecke in die Stadt einbiegen sollte, bei der Schulmauer in die Leute hineingefahren. Die auf der anderen Seite kniende Witwe Bazantin, welche ohnehin ungesund und von Armut sehr niedergedrückt ist, wurde vom linken Sattelrad erwischt, und hätten da nicht mehr Leute neben ihr gekniet und die Witwe nicht mit Gewalt unter dem Rad hervorgezogen, so hätte sie leicht an ihrer Gesundheit großen Schaden leiden können. Das Rad hat ihr auch so am linken Fuße die Haut sehr abgeschürft und an der Hand, wie sie von der Achse erwischt