Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 171)
- Language
- German
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165 bei den Juden für einen großen Fehltritt angesehen wird. Als er zurechtgewiesen wurde, begab er sich zur Tür unter die Ledigen, wo er hingehörte. Aber am nächsten Tag kam er wieder und schlich wieder auf den Ehrenplatz und äußerte da durch irgendwelche gemeine Aussprüche*) seine Unehrerbietigkeit an heiliger Stätte, bis ihn der Sohn der Jüdin Froymina nach den jüdischen Gesetzen an der Schulter nahm und ihn zur Türe hinaussteckte. Draußen stürzte er (es war also mehr ein Hinauswurf) auf den Bürger Wenzel Dlesk — und schon hatte er einen Zeugen. Er klagte in Chudenitz. Der Oberamtmann sagte ihm, was den Zwischenfall in der Schule anlange, das solle er sich mit dem Eabbiner ausmachen, der habe sich um die Juden zu kümmern; was den Hausierhandel anbetreffe, darin habe er gegen die Patente verstoßen und die Einheimischen geschädigt. Auch habe er den Bürgermeister und Richter an seiner Ehre angegriffen, indem er behauptete, aus dem Pack, den er ihnen zurückgelassen habe, seien ihm zwei Stück Obligationen und Warenboletten weggekommen. . . Mit Vorbedacht hatte er also die Ware nicht versiegelt! Dafür bekam der Jude drei Tage Arrest und wurde von der Herrschaft verwiesen. Foule als Hehler und schlechter Schutzgeldzahler — er war 7^2 fl. schuldig — erhielt auch drei Tage, und sollte er nochmals der Hehlerei überwiesen werden, muß er ziehen ... So hatte der Oberamtmann Fr. Anton Friedl das Urteil gefällt. Er hatte später des Mährers wegen viel Schreiberei, da Graf Daun den Gauner in Schutz nahm. Und der Faule, das war auch ein bittres Kräutlein für die Gemeinde! Einmal17) schreibt über ihn der Magistrat, dem das Vorrecht des Judenrichters ein Dorn im Auge war, folgendermaßen nach Chudenitz: Gestern um die 5. Nachmittagsstunde entstand in der Judengasse ein solches Geschrei, daß die Bürger, durch häufige Feuersbrünste verängstet, erschrocken durcheinanderrannten. Als das Gebrüll nachließ, kam der Jude Faule samt seiner Gattin, die ein Kind auf den Armen trug, zum Bürgermeisteramte gelaufen und zeigte, daß das Kind das Köpfchen mit Sand und Glas bestreut habe. Vom Juden und der Jüdin hingen nur so die Fetzen, Hemd und Kleid hatte man ihnen heruntergerissen. 24 Pfund Inselt seien ihm verloren gegangen. Darum die Keilerei. Löbliches Oberamt! Da der Jude Salomon Wotitz *) Archivar Teply teilt den Jargonausdruck „vejtlasky" mit