Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 164)
- Language
- German
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158 hat ein ganzes Paket Schriften über diesen Vorgang hinterlassen, aus denen hervorgeht, daß die Herrschaft selbst und die Schwihauer sich mit allen Mitteln ganz im Geiste der Zeit, in der sie lebten, anstrengten, „Abrahams Gesindel44 aus der Mitte der Stadt an die Peripherie hinauszuekeln, damit die Handwerkerzünfte in der Stadt und namentlich auch die böhmischen Krämer, die sich bereits in Handel einzulassen begannen, ihre unliebsame Konkurrenz los würden. Den Juden gings um ihre Existenz, sie wollten einen Aufschub erzielen, bis die Gräfin die Güter ihrem Sohne Prokop Adalbert Czernin übergeben würde, von dem bekannt war, daß er viel Geld brauchte. Wolf Pinkas versprach, er werde bei seinem Hause alle Fenster vermauern lassen, damit er weder ins Rathaus noch in die Gärten der christlichen Nachbarn sehe. Darauf versetzte der herrschaftliche Beamte: Es wäre weder schön noch schicklich, wenn das Haus vor der Einfahrt ins Schloß blind dastünde ohne Fenster. Sigmund Brumml, angeführt von seinem Onkel aus Janowitz, einem unerschrockenen Juden, der sich zum Abgesandten der Juden nach Prag wählen ließ, wiederholte unzähligemale: Ich rücke mich nicht aus dem Meinen, ich rücke mich nicht. Jakob ßeznicek, der in Brummls Haus einziehen sollte, forderte, daß ihm der Jude für die Abtretung des schönen Obstgartens auf der Stelle 250 fl. auf das Brett auszahle, — das Obst hatte er aber vorher abgepflückt. Da riß dem Kreishauptmann die Geduld; er gebot: Wenn mirs auch 1000 fl. kostet, Jude, du gehst! Er gab ihm aber doch vier Tage Bedenkzeit. Sein Amtskollege Franz Karl von Schönau in Klattau wäre von der Judenmenge (es gab auch anderorts ähnliche Prozeduren) um ein Haar von der Kutsche geworfen worden, nur Aron Götzl, vormals Branntweinbrenner zu Chudenitz, jetzt in Schwihau, rettete ihn, indem er seine Glaubensgenossen hebräisch anrief.14) Den Kreisämtern war darum zu tun, die Judenfrage milder und menschlicher zu regeln. Sicherlich erkannte in diesem Absterbezustand seiner Jurisdiktion mancher Hauptmann, wieviel Unrecht und wieviel Wahrheit über den Häuptern der Verbannten schwebt, er sah vielleicht auf der eigenen Herrschaft, daß der jüdische Mammon und eine gewisse aus dem Kapitalbesitz stammende Empfindlichkeit den Hochmut der Juden erzeugt, den die auch sonst in ihrer persönlichen Freiheit beschränkte christliche Mehrheit nicht