Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 163)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0620-2644962- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
157 Herrschaft ist allerdings freiwillig. Sie kann solche Untertanen, Schutzjuden oder andere Juden entfernen, und keine Obrigkeit kann gezwungen werden, gegen ihren Willen irgendwelche lästige christliche Untertanen, geschweige denn jüdische Ansiedler auf ihrem eigenen Grund und Boden zu dulden. Ich habe daher beschlossen, die unbotmäßigen Juden von der Herrschaft wirklich zu vertreiben.13) Damit aber ein solcher gottloser Jude nicht über Übereilung klagen könne, wiewohl ich bereits über ein Jahr die Umquartierung befohlen habe, so gebe ich ihm noch Frist bis zu Ende dieses Jahres: gehorcht er nicht, so muß er gehen. Was schließlich die angesuchte Hilfe anlangt, damit sie ihre umgetauschten Häuser besser mit einigem Vorrat versehen körinten, will ich ihnen diese Hilfe auf Drängen des kön. Kreishauptmanns nicht versagen, ja auch bequemere Bezahlung einräumen. Das tut ihnen sofort nach Eintreffen dieses Befehls kund und erfüllt es bis zum letzten Buchstaben. Actum im Schlosse Schönhof den 9. Oktober 1740. Da die Juden keinen Ausweg sahen, bequemten sie sich schließlich, glichen sich mit den Christen aus und übersiedelten in ihre Gasse. Bei der Häuserkonskription finden wir, welche Häuser die Juden verlassen mußten. So hat der Jude Markus sein Haus (Nr. 73) mit Wenzel Charamza (Nr. 150) getauscht, doch behielt dieser den Garten dabei auch weiterhin. David Moises vulgo Posranek (Nr. 63) sollte ebenfalls in die Judengasse übersiedeln. Da er aber baute und arm war, so konnte er nicht tauschen und war außerdem in die herrschaftlichen Renten eine größere Summe schuldig; so nahm ihm die Herrschaft die Brandstelle weg, verlieh sie einem Christen, und damit die Zahl der jüdischen Nummern nicht sinke, wandelte sie das Wawrasche Christenhaus, das sie von Adam Fürth angekauft hatte, in ein Judenhaus um (II). Der Kreishauptmann Wenzel Graf von Klenau und namentlich sein Sekretär Jakob Jilek hatten mit dieser jüdischen Ubersiedlung ein rechtes Kreuz. Erschien er in Schwihau, so umringten alle Juden seine Kutsche, „mit Brüllen und Gesten wie ihre Ahnen bei Jericho"; darüber lachte der Haufe gemeinen Volkes unbändig, bis er einige abstrafen lassen mußte. Hielt er einen Amtstag in Klattau, kamen die Juden hinter ihm gezogen, „schmutzig, zerrissen, frech, samt AVeib und Kindern, um Mitleid zu erregen". Der Sekretär