Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 161)
- Language
- German
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155 2. Besitzen sie einen Begräbnisplatz? Wie weit ist er von den christlichen Friedhöfen entfernt? Antwort: Sie haben ihre Begräbnisstätte auf demselben Hügel und so nahe der Kirche St. Ägidii und dem christlichen Friedhof, daß zum größten öffentlichen Ärgernis von einem Ort zum andern nicht bloß der christliche Gesang und umgekehrt das jüdische Wehklagen, sondern selbst die Rede einer mittelstarken Stimme vernehmbar ist. 3. Welcherlei jüdische Funktionen werden an den genannten Orten verrichtet, während in der Pfarrkirche der Gottesdienst stattfindet? Antwort: Sie halten ihren Gottesdienst, wie es ihnen paßt. 4 Halten die Juden während des christlichen Gottesdienstes ihre Waren ausgelegt und zum Verkaufe feil? Antwort: Gewöhnlich ja, ohne die geringste Rücksicht oder Furcht. 5. Werden sie nicht durch allzu milde Behandlung stolz und überheben sich über die Christen, ja baschreien ihnen mißgünstig ihr Brot? Antwort: Das sagt und bestätigt das gesamte Publikum. 6. Unterstehen sie sich als Wirtschaftspächter, anstatt selbst zu arbeiten, dem christlichen Volke despotisch und herrisch zu befehlen oder bedienen sie sich der Christen zu Schmach und Schande des christlichen Namens zu den gemeinsten Dienstleistungen? Antwort (auf den zweiten Teil): Zum Reinigen und Tragen von Gefäßen und andern ordinären Dingen bedienen sie sich ihrer sehr häufig, sogar an hohen Feiertagen. 7. Essen die Juden mit den Christen zu Mittag oder zu Abend, schlemmen und prassen oder spielen sie mit ihnen? Antwort: Da es einige schon von Kindesbeinen gelernt haben, lassen sie es auch heute noch nicht. 8. Treiben sie mit den Christen Wuchergeschäfte? Antwort: Das ist ihre von sonsther bekannte, wenn auch unehrliche Beschäftigung. 9. Spielen ihre Kinder mit den christlichen? Antwort: Vor Umquartierung der Juden, als ihre Häuser mitten unter den christlichen verstreut waren, fanden gemeinsame Spiele der beiderseitigen Kinder statt, und zwar s. v. in indusiolis (Verzeihung: in Hemdchen), daß man die Christ-