Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 160)
- Language
- German
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154 mußten, standen mehrere Juden auf öffentlicher Straße und rührten sich nicht vom Fleck, sodaß ich wohl oder übel durch den Straßenkot mußte; und wie wäre es erst bei Nacht! Es gibt viele Beispiele, daß sie Geistliche anpackten und ihnen arg mitspielten . . . Die Juden werden nicht aus Not, sondern aus purer Menschlichkeit und christlicher Güte geduldet, und sie zeigen sich erkenntlich nach dem Sprichwort: die Schlange im Busen, die Maus im Sack und das Feuer im Schoß geben schlechten Lohn. Schaden bringen sie und daher ist es nötig, sie alle zu entfernen oder in eine Seitengasse zu verweisen. Solange sie promiscue in unserer Mitte wohnten, wußten unsere Bettler nicht, wo Juden und wo Christen wohnen, und betraten oft ein jüdisches Haus und beteten und sangen daselbst. Die Juden verhöhnten sie dafür. Schließlich trifft sichs, daß die Juden, wenn ein christliches Begräbnis ist, ganz nahe an der St. Ägidikirche auch ihre Toten nicht bloß aus der Stadt, sondern auch aus der entfernteren Umgebung auf ihrem Friedhofe begraben und dabei unsere christlichen Zeremonien verspotten, wir Christen sollen aber und müssen obendrein ihr Jammern und Wehklagen anhören. Und so sehe ich nicht ein, wie die Juden mit Hilfe einer vor einigen Jahren angefertigten Mappe die unabänderliche Fortdauer ihres Friedhofs und ihr Verbleiben in der Stadt vertreten und verteidigen können. — So sollen denn die Juden, die schon soviel Unheil angerichtet haben, entweder gänzlich von uns weggehen, oder es soll ihre Zahl erträglich herabgesetzt werden und sie sollen nach dem Beispiele der Prager Städte abseits in angewiesenen Häusern ihre Wohnung haben sub juridico termino precario (bis auf Widerruf). — So wird künftig nicht bloß die Ausübung des Gottesdienstes und unsere Seelsorge sich ohne Hindernisse und Ärgernisse frei abwickeln und die Kirche wird seitens der Juden nicht der Feuersgefahr oder anderm Unheil ausgesetzt sein. Der Pfarrer legte diesem Berichte an die Kreiskommission auch eine Abschrift der Antwort bei, die er auf die Fragen vor der kanonischen Visitation im Sinne der vom Prager Konsistorium quoad Judaeos (hinsichtlich der Juden) vorgeschriebenen Punkte aufgesetzt hatten: 1. Besitzen sie eine Synagoge und Schule, und was für eine? Antwort: Sie haben eine.