Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 159)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0616-2644958- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
153 Die zweite Nachricht erhielt die Kreiskommission vom Pfarrer Wenzel Tampl: Was die politische Angelegenheit und die Feuersbrunst anbetrifft, die durch Unachtsamkeit der Juden entstanden ist und der armen Gemeinde unersetzlichen Schaden zugefügt hat, so wird die Frau Gräfin entsprechend Vorsorgen, um die Stadt vor völligem Ruin zu schützen . . . Bezüglich der religiösen Angelegenheiten .obliegt mir die priesterliche Pflicht, stets an Stadt und Gemeinde zu denken. Würde eine geometrische Skizze der von dem sog. Chudenitzer Juden (David Low) und dem Juden Brumml bewohnten Häuser angefertigt, namentlich des ersteren, so müßte sich zeigen, daß dieses Haus bloße 60 Schritt vom Glockenturm entfernt ist; die letzte Feuersbrunst war recht nahe an der Pfarrkirche, sodaß Pfarrhaus und Gotteshaus in allergrößter Gefahr schwebten. Sollten die Juden die Brandstätte wieder aufbauen und bewohnen, so würden weder die Christen in die Pfarrkirche zum Gottesdienst, noch die Juden in ihre Synagoge zu ihren abergläubischen Zeremonien ohne Ärgernis gehen können. — Bei öffentlichen Umzügen, wie an Fronleichnam, am Karfreitag, zur Auferstehimg, wenn sich die Juden in ihren Häusern verschließen, namentlich aber, wenn das Allerheiligste in die Häuser neben den Judenhäusern getragen wird, wird Gott von diesem verstockten Volk beleidigt und verunehrt, was gegen das Dekret der hl. Eitenkongregation vom 22. Feber 1593 verstößt.10) Weder das kirchliche noch das allgemeine kaiserliche Eecht gestattet den Christgläubigen, mit den Juden zusammenzuwohnen, Speis und Trank von ihnen zu genießen, irgendwelchen vertraulichen freundschaftlichen oder gesellschaftlichen Umgang mit ihnen zu pflegen, ausgenommen den öffentlichen Handel.11) Falls die Juden in die abgebrannten Bürgerhäuser kommen, wird das Ärgernis weiterdauern, ebenso die Diebereien junger Leute und anderer Unfug. Die Zahl der Juden wächst, sie werden bald die Christen überwiegen. Obwohl bei uns nur 10 Ehepaare gezählt wurden, so zeigt die Erfahrung, daß z. B. in den königl. Prager Städten in einem einzigen Hause bisweilen 6—8 Familien wohnen. Durch eine große Anzahl Juden wird die verarmte Stadt, die Bürger an ihrem Gewerbe und Handwerk geschädigt; sobald sie das Übergewicht hätten, würde es noch schlechter stehen . . . Sooft ich oder der Kaplan auf einem Krankenwege an der vormaligen Synagoge vorbei