Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 133)
- Language
- German
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127 Czernin bittet er am 10. Dezember 1707 um die Erlaubnis dazu: Ich habe in meiner Jugend die Gerberei erlernt . helfen Sie mir aus Ihren Renten eine Gerberwerkstatt bauen unterhalb der Schwihauer Mühle unweit der herrschaftliehen Chaluppe (Nr. 2), wo früher der herrschaftliche Binder wohnte, jetzt aber ein Schuster um den Jahreszins von 3 fl. sitzt. In meiner Wohnung habe ich keinen Platz. Ich will einen ansehnlichen Zins zahlen, und der Herrschaft wird der Nutzen erwachsen, daß sie ihre Häute daheim verkauft und mehr Bier ausschenkt, wenn Schuster und Volk von weither um Leder kommen . . Das Chudenitzer Amt befürwortet die Bitte mit folgender Begründung: es wird kein Handwerk geschädigt werden, in der Stadt ist kein Gerber, das Haus kann unterhalb des Schlosses gebaut werden, damit Abfälle und Schmutz geradewegs ins Wasser abgehen, der Aufwand wird sich laut Voranschlag auf 89 fl. 20 kr. belaufen, wovon die Herrschaft 45V2 fl. bezahlen wird. Der Bittsteller macht sich zu einem Jahreszins von 25 fl. erbötig und verpflichtet sich, falls er das Handwerk lassen oder anderswohin verziehen sollte, an seiner statt einen andern Gerber zu besorgen, damit der Zins keine Unterbrechung erleide. So kam die Lohgerberei zustande. Im Jahre 1709 am 21. März verkaufte in Gegenwart des Ratsherrn Lorenz Schilt und des Stadtschreibers Johann Häjek Johann Boleska dem Juden Philipp Löbl ein Stück Garten, 7 Klafter lang und 3 Klafter breit, mitten zwischen den Chaluppen des Wenzel Sedivy und des Juden Itzig, um 8 fl. rh. zum Bau einer Chaluppe. Sollten vielleicht mit der Zeit die Herren den Juden Chaluppen aufbauen, so überläßt Löbl dem Boleska oder dessen Kindern dieses Häuschen unentgeltlich; ein Jahr darauf überließ Boleska noch um 1 fl. ein Stück Platz von seinem Backofen bis zum Ende des Marstalls dem Juden zu Stallungen (X). Damals (1709) lebten in Schwihau bereits 6 jüdische Fleischer. Sie zinsten von den Fleischbänken jährlich 120 Pfund Inselt ä 9 kr., 16 Strich Hafer und von jedem geschlachteten Stück Rindvieh anstatt der Zunge 6 kr. in die Chudenitzer Renten. Weil diese jüdischen Fleischer die christlichen Fleischhacker sehr schädigten und untereinander sich wie Hunde um die Beute rissen, in das Vieh, welches in den herrschaftlichen Höfen notgeschlachtet werden mußte, sich jedoch nicht teilen wollten, sodaß es nie ohne groß Geschimpfe