Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 131)
- Language
- German
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125 f eld würde Schaden leiden und die Stadtgemeinde selbst könne zum Bau nur 20 Stämme beisteuern, denn sie habe die Wälder abgeholzt, brauche die Stämme aufs Rathaus (wollten schon lange ein neues haben!) und auf zwei abgebrannte Häuschen. Der Herr bestand auf seinem Entschluß und schickte dem Chudenitzer Amte den Lageplan der Stadt Schwihau zu, den der Klattauer Maurermeister Marco Antonio Gillmea, ein Italiener, hergestellt hatte; darin war der Plan des neuen Ghetto, der Kostenüberschlag usw. enthalten. Es sollten sieben neue Judenhäuser angelegt werden, vier sollten einen gewölbten Laden erhalten, jedes auf 168 fl. rh. veranschlagt. Auf die Herrschaft entfiel an Aufwand 89 fl. 20 kr. bar. Die übrigen drei Häuschen ohne Läden waren jedes auf 66 fl. rh. veranschlagt, mit Einbezug des herrschaftlichen Beitrags von je 40 fl. 51 kr. 3 den. Die Ladenhäuser sollten umfassen: in der Mitte ein Vorhaus, linkerhand eine Stube, rechterhand einen gewölbten Laden und dahinter Kammer oder Stall. Der Jude Samek Pinkas bestürmte das Chudenitzer gräfliche Herrschaftsamt geradezu mit Bittbriefen, ihn in seiner alten Wohnung zu belassen, es würde sonst sein Tod sein, . . . und i. J. 1708 den 14. Feber schrieb er geradeaus keck: Wenn Sie schon die Marotte haben, die Christen von den Juden zu scheiden, so belassen Sie doch mir mein Haus und meine väterliche Wohnung . . . Dem neuen Ghettoprojekt aber bereitete der baldige Tod Czernins für immer ein Ende . . . Die Amtleute waren in der Einhebung des Schutzgeldes und der Kontribution unerbittlich, ja sie steigerten sie. Immer fand sich irgendein Glaubensgenosse, der gegen die Juden denunzierte, was sie alles verdienten. Die Sekretariatskanzlei wurde aus den Territorien mit Gesuchen um Nachlaß förmlich bombardiert; denn falls jemand zudringlich und ungestüm zu bitten verstand, so verstand es niemand so gut wie der jüdische Geschäftsmann des XVIII. Jahrdunderts, wenns um seine Haut oder seinen Beutel ging. Nur ein einziges Beispiel. Im Dezember des Jahres 1707 führt beim Grafen Hermann Jar. Czernin der Schwihauer Jude David Israel wiederholt Beschwerde, daß er im Vergleich zu den Juden des Pilsner Kreises mit einer Jahreskontribution von 80—90 fl. von seinem Hab und Gut derart überlastet sei, daß ihm sein Schwiegersohn Bernhard Alexander mit dem vierten Teil aushelfen müsse, — und so seien beide in Not geraten. Als auf die Anzeige Alexanders festgestellt wurde, daß zwei Juden