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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 130

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 130)
Language
German
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124 hätten nicht bloß Häuser, sondern auch Grundstücke unter den Christen eingekauft, hätten sie in Besitz und wohnten promiscue unter den Christen, was weder vor Gott noch vor den Menschen zu verantworten sei, denn die Ehre Gottes werde gemindert, der katholische alleinseligmachende Glaube aber komme durch solches Zusammenwohnen der Christen und Juden bedenklich in Verfall: ja die obersten Landesgesetze verböten dies expressis verbis und wollten es nicht gestattet haben. Czernin beschloß, mit Hilfe der Gemeinde ein neues Ghetto an der Straße von Chudenitz gleich am Eingang zur oberen Stadt im herrschaftlichen Garten oder gegenüber am Ende des Weichbildes einzurichten, wobei zwei oder drei gleich vorn stehende Christenhäuser gegen jüdische ausgetauscht werden könnten. Dem Plane stellten sich jedoch bald verschiedene Hindernisse entgegen. Der Jude Samek Pinkas berief sich darauf, sein Haus stehe schon seit Jahren am Eck und infolgedessen wohne nur ein Christ neben ihm, und der könne tauschen, sodaß man sich den Bau zweier neuer Judenhäuser ersparen könne. Er verwies ferner darauf, daß sein Haus gewölbt sei, mit Keller, Eisentür und Kaufladen ausgestattet, alles nach dem Brande jüngst neugebaut, und er und seine Vorfahren wohnten schon seit 34 Jahren drin.6) Die herrschaftlichen Beamten Jak. Fr. Mayer, Hauptmann, ferner dessen Stellvertreter Christian Jos. Scharf, der Rentmeister Martin Herget, der Burggraf Paul Weber, der Futterschreiber Anton Oeser, der Bereiter Johann Karl Hvezda machten den Grafen darauf aufmerksam, man müßte das Baumaterial über die herrschaftlichen Felder führen, dort ablagern, der Weg sei unbequem und bei eventuellem Regenwetter während des Baues unfahrbar, die Bauernfelder (vermutlich die der Bürger) besät, was würde da für Schaden entstehen usw. Sie rieten als Bauplatz den herrschaftlichen Obstgarten hinter dem Rathaus und einen Teil der am Ende der Wiesengasse (Lucni ulice) gegen Poritschen zu liegenden Wiese links des Baches an, wo man nur zwei Klaftern weit in den Garten vorrücken müßte; 75 Klaftern Länge seien völlig genügend. Auch für Baumaterial sei hinreichend Raum. Zuguterletzt war nicht einmal ein löblicher Magistrat mit einer Verlegung der Judenhäuser einverstanden. Es würde daselbst eine garzuenge Gasse entstehen, der Schmutz würde in die Stadt abfließen, die Häuschen würden sich teuer stellen, das Weizen-

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