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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 120

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 120)
Language
German
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114 ein Gradmesser wäre, wann die Erntezeit anbrach. Und in dieser Vermutung werden wir noch bestärkt durch die Gleiehläufigkeit der Rückzahlungskurven. Diese kulminieren entsprechend dem Agrarcharakter Böhmens an der Wende von Mittelalter zur Neuzeit stets im letzten Jahresviertel, und zwar tritt diese Kulmination d. J. 1498, wo die Geldbedarfskulmination schon im Juni erscheint, im Monate Oktober ein und sinkt ebenso mäßig im November wie der Geldbedarf im Juli; i. J. 1499 jedoch trat der Geldbedarf erst im Juli richtig zutage und auch die Rückzahlungen oder Löschungen werden erst einen Monat später fühlbar als im Vorjahr, nämlich erst im November. Bezüglich der Rückzahlungskurve braucht vielleicht nicht erst hervorgehoben zu werden, daß sie in den in Betracht gezogenen beiden Jahren schon aus dem Grunde nicht zur rechten Entwicklung kommt, weil das Geschäft in der neuen Weise soeben erst im Anfang ist und erst in Fluß kommen soll. Der Umstand, daß sich der St. Georgitermin in der Linie der Rückzahlungen keineswegs irgendwie vorteilhaft bemerkbar macht, zeugt für die überragende Bedeutung des St. Gallitermins für das mittelalterliche Wirtschaftsleben. Die Weiterentwicklung der Rückzahlungskurve im ersten Vierteljahr 1500 nimmt dann annähernd jene Form an, die man vorausetzen würde. Doch erweist sich die anscheinend so schön ansteigende Tendenzlinie des Jahres 1500 als trügerisch, da ihre Richtung zu einem guten Teil durch die massenhaften Reassumierungen der zweiten Jahreshälfte erzwungen ist; ebenso trügerisch ist die Linie der Gesamttendenz während der Jahre 1497—1500; dieses Ansteigen ist dem Steigen der Thermometersäule vergleichbar, wenn ein Fieber den Organismus bedroht. In der Tat bedeuten die Jahre, aus denen das älteste Burggrafenregister datiert, bloß einen Augenblick günstigerer Existenzbedingungen für die Prager und böhmische Judenschaft, deren rechtliche Besserstellung in ihrem Gelderwerb durch das Erstarken der städtischen Macht in der Folgezeit wieder etwas herabgedrückt und geschmälert wurde. Einen guten Überblick über die jüdischen Geldgeschäfte in der Zeit um 1500 gibt eine Betrachtung des Gesamtumsatzes. Die graphische Darstellung in Figur II erweist die durch zwei Jahre andauernde nahezu geradlinige Aufwärtsentwicklung bis 1499; in diesem Jahre wurde ein Geldumsatz von 16.000 Schock Groschen meiß. erzielt. Doch während des

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