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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 119

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 119)
Language
German
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IRI
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113 der Schuldner gehandhabt wurde, wie es nach dem Wortlaut der Obligation erwartet werden könnte. Zum Schlüsse soll noch ein Blick auf den ziffernmäßigen Umfang der Tätigkeit der jüdischen Bankiers geworfen werden, wie sie im vorliegenden Schuldverschreibungsregister aufscheint. Da jedoch die Ziffern allein erst dann Leben und Ausdruck gewinnen, wenn sie in wechselseitige Beziehung gesetzt werden, und da sich für diesen Zweck die graphische Darstellung am allergeeignetsten erwiesen hat. so haben wir uns nicht versagen können, das Ergebnis eines eingehenden Studiums auf der Beilage in der Form sprechender Linien festzuhalten. Was sich in Worten darüber sagen läßt, läßt sich dann kurz zusammenfassen. Die Kurve der Geldwerte sämtlicher Darlehensverschreibungen, wie sie uns das älteste Burggrafenregister in seinen Angaben vermittelt und wie sie auf Figur I graphisch dargestellt ist, kann wohl mit gewissen Einschränkungen für die damaligen Verhältnisse als Gezeitenlinie der Verschuldung überhaupt gelten. Während der Jahre 1498 und 1499 haben wir eine ungestörte Entwicklung vor uns. Die monatlichen Schwankungen dieser beiden Jahre zeigen trotz ihrer Verschiebung im einzelnen doch viel Gemeinsames: ein Emporschnellen um die Jahremitte, dem ein Tief vorhergeht und nachfolgt, während im letzten Viertel des Jahres nochmals im Monat Oktober ein kräftiger Emporstoß kommt; der Vorstoß vor dem Tief in der ersten Jahreshälfte ist bedeutend schwächer als gegen Jahresende. Wir werden kaum irregehen, wenn wir in diesem Auf und Ab ein Widerspiel der Geldwelle in ländlichen Verhältnissen erblicken, die Rückwirkung der Agrarwirtschaft auf den Geldvorrat der Bauern und bäuerlichen Gutsherren und Landedelleute. Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß der große Geldbedarf um die Jahresmitte auf die Kassaleere vor Beginn der Ernte zurückzuführen ist. Das kräftige Emporklettern der Verschreibungssumme im Oktober dagegen ist eine Reaktion auf Säumigkeit der Schuldner, die nach der Ernte nicht gleich bezahlt haben; die mußten sich nun eine Reassumierung, eine Abrechnung und neuerliche Verschreibung ihrer Schuld gefallen lassen, denn Mitte Oktober fällt der Gallitermin, ob nun der Schnitt früher oder später eingetreten ist. Wir haben bei Betrachtung der Monatssummenkurve der Schuldverschreibungen ja tatsächlich den Eindruck, als ob sie dafür 8

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