Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 101)
- Language
- German
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2644300-2644303--0558-2644900- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
98 liehen Öffentlichkeit allgemein bekanntzumachen. Diese Veröffentlichung soll in einem Sonderhefte erfolgen, da die Bearbeitung in erweiterter Eegestenform samt wissenschaftlicher Einleitung und Index in diesem Jahrbuche aus Raumgründen untunlich erschien. Immerhin soll aber hier der Versuch unternommen werden, nach den trockenen Formeln des Schuldverschreibungsregisters ein vorläufiges Bild zu zeichnen, wie sich an der Wende des XV. und XVI. Jahrhunderts in Böhmen das Privatkreditwesen gestaltete, insofern die Juden als Geldgeber auftreten, wie es mit ihnen in diesem Punkte rechtlich und faktisch bestellt war, und schließlich, wie sich die im erwähnten Burggrafenamtsbuch verschriebenen Geldgeschäfte in ihrer Gesamtheit darstellen. Das letzte Jahrzehnt des XV. Jahrhundertes ist in der Weltgeschichte bedeutungsvoll geworden durch die Tat des Kolumbus, der zur richtigen Zeit ein neues Land für den Handel erschloß und neue Bodenschätze und Produkte in den europäischen Verkehr brachte. Jede historische Großtat — von ihrer Wertung abgesehen — wirkt vernichtend und befruchtend. Vernichtend und zersetzend auf die bestehende Ordnung in der hergebrachten Form und befruchtend auf die lebensfähige Neugestaltung der Dinge. Wie soll aber die Heldentat eines Kolumbus mit den Prager und böhmischen Juden zusammenhängen? Die Entdeckung Amerikas gab dem Wirtschaftsleben Europas einen derartigen Stoß, daß die Wirkimg auf dem Gebiete das Geldmarktes nicht lange ausbleiben konnte. Die amerikanische Goldflut bedrohte Europa von dem Augenblick, da der erste Europär seinen Fuß auf das Land jenseits des Meeres setzte. Und dieses Gold hat während der langen Zeit zwischen der Kolonisation des Westens zu Ende des Mittelalters und einer Gegenkolonisation des Ostens in Gegenwart und Zukunft seine Rolle niemals ausgespielt. Alchymie und Chemie haben es nicht zu entthronen vermocht. Das heimische Geld, das als internationales Zahlungsmittel seine Kaufkraft im Mittelalter lediglich dem Feingehalte an Silber verdankte, war unter diesen Umständen entwertet, der Handel und Verkehr damit in ein bedenkliches Krisenstadium geraten. Nur vor diesem Hintergrunde und in dieser Perspektive wird die europäische und damit auch die böhmische Entwicklung verständlich. Während in Prag und in Böhmen