Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 76)
- Language
- German
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73 gestellt war und trotz jahrelanger Bitten der erbgesessenen österreichischen Juden am 18. Mai 1536 unverändert veröffentlicht wurde, dann bedarf es eines weiteren Beweises für die Planmäßigkeit Ferdinandeischer Handlungsweise nicht. Zuerst wurden die österreichischen Juden in wenigen kleinen Ortschaften wie Eisenstadt, Eggenburg, Marchegg leonzentriert, ihre Kaufmannschaft mit allen Mitteln gehindert, dann wurden sie politisch verdächtigt und zum Schluß völlig vertrieben.107) Ein treffliches, an Ferdinand den Katholischen erinnerndes System. Die Maßnahmen, welche in den österreichischen Erländem und in den Ländern der Wenzelskrone gleichzeitig toder in unmittelbarer Aufeinanderfolge einsetzten, sollten nach dem eigenen Zugeständnisse die Judenschaft beider Ländergruppen desto sicherer treffen. Ja einmal hat die königliche Majestät, unbekümmert um staatsrechtliche Bedenken in einem einzigen Generalmandat108) die Ausweisung aus Niederösterreich und Mähren verfügt. Aus dieser Zeit der Judenvertreibungen, an denen natürlich auch Böhmen teilnimmt, stammen Konsignationen der Prager Judenschaft, welche interessante Aufschlüsse über die ersten Ansätze der durch die wirtschaftlichen Verhältnisse geforderten Berufsumschichtung bieten.109) Neben Händlern, Weinschänkern und Fleischhackern erscheinen zum ersten Male Schleifer, Glaser, Drechsler und daneben Vertreter eines bescheidenen Kunsthandwerkes. Auch die Inschriften des alten Prager Judenfriedhofes110) weisen auf eine immer steigende Zahl von Handwerkern aller Art, darunter Färbern, Gerbern, Kürschnern, aber auch Riemern, Zimmerleuten und Schlossern. Doch lassen wir nun einige mährische Zeugnisse sprechen. In Loschitz111) werden in der zweiten Hälfte des sechzehnten Jahrhunderts Glaser, Sackmacher, Lohgerber genajnnt. In Gewitsch112) scheint die Rotgerberei etwas später heimisch gewesen zu sein; wenigstens versichert Zacharias Löwi, den Fürst Lichtenstein vom Grundherrn Zialkowsky ledig gemacht, daß er von seinem Vater dieses Gewerbe gelernt habe. Der Jude, der auch fürstlicher Mauteinnehmer war, mußte allerdings nach hartem Kampfe mit den Zünften auf die Ausübung seines Handwerks verzichten. In Schönberg113) lebte vor 1585 der Jude Karplus mecif, also Waffenschmied; aber auch dieses kräftige Gewerbe hat den Mann vor der allgemeinen Ausweisung nicht bewahrt. In Kremsier gab es