Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 72)
- Language
- German
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69 ich, um anderen aufzuhelfen, mich und meine Leute verderben sollte — das tu ich nicht, denn gegen die Gerechtigkeit bin ich nicht. Wenn man die Juden schon vertreiben will, woran mir nichts liegt, dann soll sie aber niemand haben. Dabei solle man aber den Geistlichen und Laienchristen auferlegen, daß sie keine Judenzinsen nehmen, wie sie jetzt deren größere nehmen als die Juden.83) Und wenn es jemand wagen sollte, ob geistliche oder weltliche (Christen), wie sollen wir uns dazu stellen und mit welcher Strafe sollen wir sie belegen? Während ich diesen Brief schreibe, habe ich erst wieder erfahren, daß Christen nur Ein Schock auf drei Eimer borgten und diese Christen könnte ich mit Namen nennen. Und so haben sie es die ersten Jahre getan und werden es schwerlich heuer anders machen. So sprich darüber mit dem Herrn Hauptmann und den anderen Herren, sie mögen einen solchen Beschluß fassen, daß es den Leuten möglich ist, ihn einzuhalten. Nicht alle Adelsherren Böhmens und Mährens dachten jedoch so wie Wilhelm von Pernstein. Für Lev von Rozmital waren die Juden in erster und letzter Linie nur Steuer- und Ausbeutungsobjekt,84) viele seiner Standesgenossen förderten Geldgeschäfte mit eigenen Kapitalien, trotz des königlichen Verbotes,85) um bei Nichtzahlung von Zins und Schuld nur desto sicherer Grund und Besitz der zumeist bäuerlichen Schuldner zu gewinnen, und unter dem Vorwand, Schutz zu bieten, drängte man sich auch an fremdstädtische Juden86) mit Geldforderungen. Fast hat es den Anschein, als ob man vor der immer unmittelbar bevorstehenden allgemeinen Judenaustreibung den Raubbau noch möglichst lukrativ gestalten wollte. Seit dem Jahre 1483 sprach man nicht allein in Prag, sondern im ganzen Königreiche von der Notwendigkeit, sich der Juden zu entledigen; so erklärt sich auch die Bemerkung im oberwähnten Briefe. Nur einmal wagt es König Wladislaw mit einer an ihm sonst nicht beobachteten Energie für die Juden und ihre wirtschaftlichen Aufgaben einzutreten.87) Aber der König stand auf verlorenem Posten, wenn er die Notwendigkeit der höheren jüdischen Zinsenforderung in bewegten Worten verteidigte: „Würde der Jude dieselben Zinsen nehmen wie der Christ, so könnte er dabei nicht bestehen, denn der Christ nimmt die seinen frei und verwendet sie für sich, nicht so der Jude.