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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 71

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 71)
Language
German
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IRI
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68 mährischen Judengemeinden trugen. Das Fehlen von Kremsier, der Bischofsstadt, ist leicht erklärlich; auch die Juden der damals Lichtensteinschen Herrschaftsgebiete: Nikolsburg, Lundenburg, Kostel, hatten allen Grund fern zu bleiben, da die höchst prekären Verhältnisse des Grundherrn schwere Erpressungen besorgen ließen, wenn man sich an einen anderen Machthaber, noch dazu außerhalb Mährens wandte.81) Es ist ein besonderer, in der jüdischen Geschichte nicht häufig vorkommender Fall, daß nicht nur das Schutzversprechen, sondern auch die Erfüllung dokumentarisch vorliegen. Noch dreißig Jahre nach Abschluß des besprochenen Vertrages schreibt Wilhelm von Pernstein: Mein lieber Sohn! Die Bestimmung über den Wucher der Juden, die mir Herr Adam zeigte, scheint mir gut zu sein. Aber was das Borgen selbst betrifft, daß sie nicht leihen dürfen ohne eine Bestätigung ihres Herrn oder ohne daß der Rat ihres Ortes anwesend sei, das ist im allgemeinen undurchführbar. Denn daß der Rat davon wisse und der Mensch, dem sie borgen, vor ihm stehe, damit man es einschreibe, das ist nur dort möglich, wo die Juden in Städten oder Marktflecken wohnen. Mir liegt an den Juden nichts und für die Juden schreibe ich dies wahrlich nicht, sondern ich schreibe es zu Gunsten meiner Untertanen, die ich auf den Weinbergen habe und die meine Weinberge verlassen müßten, wenn die oberwähnten Bestimmungen durchgeführt werden sollten. Denn dem Juden Faitl allein sind sie jetzt in Blucin82) an 400 Sch. schuldig. Und wenn sie keine Ernte hatten, so hat er von ihnen auch nichts genommen, sondern war so mitleidig, ihnen zu warten, und wenn unser Herrgott eine bessere Zeit schenkt, dann werden sie sich wieder aufhelfen können. Dagegen haben gleich heuer Geistliche und Städter auf meinen und anderen Herrschaften auf ein zehneinmeriges Faß Wein 5 Schock geborgt. Denn der Beamte hat wenig darnach gefragt. Und auf einer andern Herrschaft hat man 4 Schock auf ein Faß geliehen. Das scheint mir ein dreimal so großer Wucher, als ihn die Juden treiben. Wenn mit den Juden nun so verfahren werden sollte, wie ich es bei Herrn Adam gesehen habe, dann könnten auf unsere Leute, die wir auf den Weinbergen haben, andere Plagen kommen. Da du das nun weißt, so sprich darüber! Denn ich will gern zu allem meine Stimme geben, was sich ziemt, aber daß

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