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Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik · 1930-01-01 · 2 (1930) · page 70

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Journal
Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
Volume
2 (1930)
Date
1930-01-01
Page
– (sequence 70)
Language
German
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IRI
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67 nisse des Bauernstandes sagen können: Eine gleiche Bewandtnuss hat es mit den Juden, jedoch mit dem merklichen Unterschied, daß selbe in dem Marggraftum Mähren für leibeigen gehalten werden, welches in Böheim nicht ist.78) Haben die mährischen Juden gegen diese Minderberechtigung nicht angekämpft? Ohne Zweifel. Aber Lebens- und Nahrungssorgen überwogen und es war höchst gefährlich, auf die bessere Lage der Juden Böhmens zu verweisen, die in Prag und anderen königlichen Städten verblieben, dadurch eine bessere Rechtsstellung genossen und auch anderen „untertänigen" Juden die Möglichkeit boten, eine solche zu erlangen. Vom schwachen, gutmütigen und nachsichtigen König Wladislaw war keine Hilfe zu erwarten. Während seiner mehrmonatlichen Anwesenheit in Trebitsch hätte sich vielleicht eine Gelegenheit hiezu geboten, aber die gleichzeitigen unglücklichen Septemberereignisse in Prag (1483) bewiesen, daß königliche Willensbriefe einstweilen bedeutungslos waren.79) Es war also ein Akt der Notwehr und der politischen Klugheit, daß sich die mährischen Juden im Jahre 1490 zu einer gemeinsamen Aktion zusammenschlössen und in Prag Hilfe suchten. Sie fanden sie auch. Wenigstens versprach Wilhelm von Pernstein und Helfenstein,80) der in seiner Hand mehr als ein Fünftel mährischen Grundbesitzes vereinigte, gegen eine jährliche Gebühr von fünfzig ungarischen Gulden, den Juden Mährens Rat und Hilfe zu gewähren, sofern es nicht gegen Gott und das Land gerichtet wäre. Diese Urkunde ist in mehrfacher Beziehung bedeutsam. Sie zeigt die bedrohte Lage der mährischen Judenschaft, welche es nicht mehr wagen durfte, bestimmte Bitten oder Wünsche zu äußern, sondern sich damit begnügte, den bedingten Schutz des allmächtigen Obersthofmeisters des Königreiches Böhmen zu erlangen. Zehn mährische Juden setzten neben die Unterschrift des Judenmeisters für das Königreich Böhmen und die Maxkgrafschaft Mähren — eine neue und weiter auch unbekannte Würde, da die Juden Böhmens und Mährens zumeist getrennte Wege gingen — ihre Namen, darunter fünf Abgesandte aus Eibenschitz, drei aus Pohrlitz, zwei aus Straßnitz. Die Vermutung liegt sehr nahe, daß es gerade jene Orte waren, welche durch die vorangegangenen Ausweisungsdekrete den stärksten Zuzug erhalten hatten und damit auch die moralische Verantwortung für die Weiterexistenz der

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