Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
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- Riga 1× ep/1000826
- Wrocław 1× ep/1002369
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65 nur an den wichtigsten Handelsstraßen und in unmittelbarer Nähe der ältesten und frequentiertesten Mautstationen urkundlich nachweisbar sind.73) Gerade an diesen Orten ergab sich ungezwungen die Möglichkeit, die jeweiligen Ein- und Ausfuhrartikel kennen zu lernen und am Kauf- und Verkaufsgeschäfte trotz Ausschlusses aus der landesfürstlichen Stadt teilzunehmen. Mit welcher Zähigkeit der jüdische Großkaufmann Mährens seine Stellung verteidigte, geht aus einer Beschwerde hervor, die ein Israel von Meren74) — vielleicht ein vertriebener Olmützer Jude — im Jahre 1472 in Riga erhob, weil ihm dort sieben Stück Tuch, die er vorsorglich auf dem Gewandhause in Lübeck hatte überprüfen lassen, beschlagnahmt worden waren. Die Konfiskation entsprach aber den Gepflogenheiten der Hansa, die nur den Verkauf flandrischen Tuches in Osteuropa duldete. Der jüdische Kaufmann, der neue Absatzgebiete sucht, da Wien, Breslau durch Judenaustreibung verschlossen sind, ein neuer, nicht uninteressanter Beitrag zur jüdischen Wirtschaftsgeschichte. In der mährischen Heimat sah es freilich zu dieser Zeit recht traurig aus. Die reichen Juden, die nach dem Tode Ladislaus Posthumus (1457) vielleicht gehofft hatten, in die königlichen Städte wieder zurückkehren zu können, wurden in ihren Hoffnungen bitter getäuscht. Denn Georg von Podebrad hatte nur ein Ziel vor Augen, die mächtigen landesfürstlichen Städte Mährens mit allen Mitteln, Privilegien, Schenkungen und Gnaden dauernd an seine Sache zu fesseln.75) Er hatte weder Zeit noch fand er Interesse an der Regelung jüdischer Angelegenheiten in Böhmen und Mähren und es ist wirklich nur ein Ausnahmsfall, wenn er am 9. April 1462 vier Schützlingen die Aufnahme in die reichsunmittelbare Stadt Eger verschaffte. Seit 1471 gab es in Mahren zwei Landesfürsten, Wladislaw aus dem Hause der Jagelionen und Mathias Korvinus von Ungarn. Die Stände unterließen es vierzehn Jahre (1466—1479) zu einem Landtage zusammenzutreten, die Städte wagten es infolge der wechselnden Herrscherdynastien nicht einmal, die Bestätigung ihrer Privilegien zu erbitten. Auch die Juden, welche für Legitimität immer ein seltenes Verständnis besaßen, mußten im Streite der Parteien strengste Zurückhaltung beobachten. Erst als Mathias Korvinus starb, der Jagelione AVladislaw auch zum Könige von Ungarn gekrönt wurde,