Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 65)
- Language
- German
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62 mangel entstanden ist. Es klingt tragikomisch, daß nun selbst der Olmützer Rat und Handelsstand verdächtigt werden.59) Aber gebüßt haben die Schuld im gleichen Jahre 1426 nur die Iglauer Juden, welche des Einverständnisses mit den Hussiten bezichtigt wurden. Die Ausweisimg vollzog die tief verschuldete Bürgerschaft60) im vollsten Einverständnisse mit Albrecht, der wohl Mähren erst seit drei Jahren als Pfand besaß, aber in seinen Erbländern eine so sicher grausame Hand gegen alles Jüdische bewiesen hatte, daß noch dreißig Jahre später Niklas Flins61) in einem Berichte an die Stadt Preßburg ein treffendes Bild der Vorgänge zeichnen konnte. Die Judenschaft der übrigen königlichen Städte Mährens konnte sich noch einige Zeit ihrer bevorzugten Stellung erfreuen, aber das Vertrauen war geschwunden. Man erschien vor dem Landrechte nur, um alte Geldforderungen liquid zu machen und Pfandschaftsrechte auf Liegenschaften zu verkaufen. Die Brünner Juden verbrachten auch sonst recht unruhige Tage, da die Stadt von Parteileidenschaften heftig aufgewühlt wurde, hab- und machtgierige Mitglieder des Rates sich mit Umsturzgedanken trugen, deren Umfang zeitgenössische Spottlieder nur dunkel andeuten.62) Aber erst der italienische Mönch und Inquisitionsrichter Capistrano, der im Sommer des Jahres 1451 in Brünn eintraf, um den Kampf gegen die Kompaktaten, zuerst mit geheuchelter Friedensliebe,63) dann offen und rücksichtslos aufzunehmen, verstand es die Volksleidenschaften ins Maßlose zu steigern. Die Pilgerfahrten führten den heiligen Mann u. a. auch nach Olmütz und Znaim; überall gab es zündende Predigten und kleine Scheiterhaufen, in denen Würfel und andere Zeichen der Lustbarkeit zu Asche verbrannten, ein Präludium zum grausigen Schauspiel in Breslau, zur Tortur und Judenverbrennung. Ohne Capistranos flammende Aufrufe hätten die Handwerkerzünfte, die stärksten Verbündeten des Eiferers,, nie die Gewalt über die Beschlüsse des Rates gewonnen. Man kann somit die Mitschuld Ladislaus' an den Ereignissen in Mähren nur gering bemessen. Das beweisen auch die früher geschilderten Verhältnisse in Znaim, weiters die Tatsache, daß der König am 7. März 1453 nur die alten Privilegien Brünns bestätigte und nichts mehr, daß er den Wünschen der Hradischer Bürgerschaft nach Belassung der Juden in ihrer Stadt Rechnung trug und letztens auch den Prager Juden einen Gnadenbrief gab.64) Sich den seit drei Jahren