Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 64)
- Language
- German
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61 überschritten. Die reichsten Juden hatten, um den Erpressungen Jodoks zu entgehen, den Schauplatz ihrer Tätigkeit nach Wien verlegt,52) das um die Wende des 15. Jahrhunderts ein Eldorado für Geldleihgeschäfte zu sein schien. Juden aus Mähren, Ungarn und den Alpenländern, christliche Kaufleute aus Köln, Regensburg und Linz steigerten die Verschuldung des bürgerlichen Hausbesitzes53) in solchem Maße, daß eine wirtschaftliche Katastrophe unvermeidlich war. Die Zwangsmaßnahmen und Gewalttaten des Habsburgers Albrecht fanden allerdings nur ein Ziel, die Juden. Zur selben Zeit versicherte Kaiser Sigmund die Brünner Judenschaft ihres privilegierten Wohnrechtes, ein Beweis der Verschlechterung ihrer Lage. Die Urkunde, am 6. April 1421 in Brünn ausgestellt, spricht von den Juden in Brünn und in anderen mährischen Städten. Sie bestätigt „auf redliche und fleißige Bitte", daß die Kammerknechte „unverruckt bleiben". Diese Redewendung ist deutlich genug.54) Sie macht es sehr wahrscheinlich, daß schon um 1421 eine Generalausweisung aus den königlichen Städten zur Beratung stand. Wie der Herausgeber des bekannten Judenbuches in der Scheffstraße (Wien) auf den Gedanken kommen konnte, diesen Gnadenbrief dahin zu deuten, daß Sigismund den vertriebenen österreichischen Juden ein Asyl in Mähren eröffnete, ist mir unverständlich.55) Das im Brünner Stadtarchiv verwahrte, aber scheinbar noch unveröffentlichte Privileg enthält kein Wort, das zu einer solchen günstigen Auslegung Anlaß böte. Im Gegenteil. Einige Monate vorher hatte der Luxemburger in Breslau56) einen Judenpogrom inszeniert, um zu Geld zu kommen, wenige Monate später versprach er wieder dem Budweiser57) Rat, in der Judensache Ordnimg zu schaffen. Nicht umsonst sagt der Pamphletist Jean de Montreuil von dem letzten Luxemburger: Quocumque veniat, Semper mendicat et alieno aere vivit. In den Jahren 1424 und 1425 taucht in Mähren zum ersten Male die Beschuldigung auf, daß Kaufleute den Hussiten Vorschub leisten, aber nirgends werden Juden genannt.58) Der gleiche Vorwurf trifft auch Handelsleute aus Nürnberg, welche der heimische Rat energisch in Schutz nimmt. Übrigens muß sich die treukatholische Stadt Olmütz an den hussitischen Herrn Tovacovsky von Cimburg mit der Bitte wenden, Kaufleute von Olmütz nach Brünn und dann wieder zurückzuführen, weil durch die Kriegsnot ein drückender Waren-