Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Journal
- Jahrbuch der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Čechoslovakischen Republik
- Volume
- 2 (1930)
- Date
- 1930-01-01
- Page
- – (sequence 56)
- Language
- German
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53 Eisen, Zinn, Blei, Glas und vieles andere dem Handwerker bieten und außerdem noch das notwendige Arbeitskapital herbeischaffen. Dem adeligen Herrn, der sehr früh seine Hilfe suchte, nahm er nicht allein die Überschüsse aus der Ernte ab und half den verstreuten Grundbesitz veräußern oder arrondieren, der Jude hat, diese Tatsache muß einmal in aller Offenheit ausgesprochen werden, mit ein Verdienst an der Ausbreitung der Kolonisation, die im 13. und 14. Jahrhundert ungeahnte Bedeutung gewann. Es gibt fast kein mährisches Adelsgeschlecht, das nicht jüdisches Kapital in Anspruch nahm, um Grundankäufe, Investitionen und Auslösung verpfändeten Besitzes durchzuführen.10) Die Klagebücher knihy pühonne a nälezove vor dem Landrecht in Brünn und Olmütz geben ein recht anschauliches Bild von dieser Verbindung des Adels mit der Judenschaft, die schon damals königliche und herrschaftliche Städte, aber auch Dörfer und Marktflecken bewohnt. Die mächtigen Sternberge schämen sich nicht, von ihren Schützlingen — auch in Sternberg gab es im 14. Jahrhundert eine Judenansiedlung — Geld zu leihen, die Richtigkeit eines Schuldbriefes zu bestreiten und dann wieder anzuerkennen oder 21 Jahre alte Verbindlichkeiten als verjährt zu erklären.11) Nicht immer steht der Gläubiger im schlechten Licht! Die dramatisch bewegten Bruderkämpfe im Hause Luxemburg, welche die mährische Geschichte des endenden 14. Jahrhunderts ausfüllen, die bald darauf beginnenden Hussitenkriege haben wohl die Judenschaft, welche außerhalb der königlichen Städte lebte, in fühlbarere Abhängigkeit von dem adeligen Schützer und Schirmherrn geraten lassen, aber klingende Münze half über alle Gefahren hinweg. Ganz anders stand es um die Juden in den landesfürstlichen Städten Olmütz, Brünn, Iglau, Znaim, Mähr.-Neustadt. Die goldene, aber schuldenreiche Zeit des mährischen Markgrafen Jodok hat Brünn in eine unerträgliche Schuldenlast gestürzt und die Armen und Enterbten der städtischen Bevölkerung die Segnungen des neuen geldwirtschaftlichen Zeitalters am eigenen Leibe verspüren lassen. Es war die Zeit, da die markgräfliche Gewalt reiche Juden in den Kerker warf, um sie für Schuldennachlaß gefügiger zu machen, die königliche Stadt Brünn bei Wiener Juden unter beschämenden Bedingungen eine Anleihe von 1775 Pfund Wiener Pfen^ nige aufnehmen mußte12) und im Olmützer Bathause der Uber fatalis, das Judenregister entstand.13) Die ersten Eintragun-